Schilddrüsenoperationen relativ häufig, aber unnötig

20. Oktober 2015, 12:59
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Bei gutartigen Knoten und Zysten ist statt einer Operation nun auch ein ambulanter Eingriff möglich, betonen Experten

Wien – Mit der sogenannten Hochfrequenz-Wärmeablation lassen sich gutartige Schilddrüsenknoten ohne Operation beseitigen. Insgesamt dürfte die Operationsfrequenz in solchen Fällen in Österreich zu hoch sein, hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Veränderungen an der Schilddrüse – meist gutartigen Knoten und Zysten – sind relativ häufig. Eine Reihenuntersuchung bei 96.278 Frauen in Deutschland zeigte bei unter 25-Jährigen eine Häufigkeit von rund zehn Prozent. In der Alterskohorte der über 55-jährigen waren solche Gewebeveränderungen bei etwa 50 Prozent feststellbar.

Obwohl bei genauer Diagnose – etwa durch Ultraschall-gesteuerte Feinnadelbiopsien oder Stanzbiopsien – selten auftretende Schilddrüsenkarzinome gut zu entdecken wären, wird in Österreich und Deutschland offenbar oft "einfach operiert": Bei 15 Patienten mit einem chirurgischen Eingriff samt Allgemeinnarkose und möglichen OP-Komplikationen stellen die Pathologen schließlich nur einmal den Befund eines entfernten Karzinoms. In Italien liegt diese Relation bei sieben zu eins, in den USA bei eins zu eins.

Unnötige Operationen

"Vor einer Operation muss eindeutig ein Malignitätsverdacht (Verdacht auf ein Karzinom; Anm.) gegeben sein", sagte der Experte Alois Gessl von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Universitätsklinik für Innere Medizin III am Wiener AKH. Unterbleibe das, wären unnötige Operationen vorprogrammiert.

Doch auch gutartige Knoten oder Zysten in der Schilddrüse können Probleme machen. Ein "Kloß", der beim Schlucken stört, zum häufigen Räuspern zwingt, als "drückend" empfunden wird, oder Heiserkeit verursacht: Das sind die typischen Symptome dieser an sich harmlosen Knoten.

Entfernt werden können diese laut dem Grazer Experten Harald Dobnig mit der schonenden und trotzdem effektiven Methode der Radio- oder Hochfrequenz-Wärmeablation. "Dabei wird eine Nadel mit der Spitze in den Knoten vorgeschoben. Durch den Hochfrequenzstrom wird das Gewebe auf 60, 70 oder 80 Grad Celsius erwärmt und denaturiert. Das ist praktisch schmerzfrei, wird ambulant durchgeführt und kommt ohne Narkose aus", sagte Dobnig.

Krankenkassen zahlen nicht immer

Das durch die Hitze zerstörte Knotengewebe wird vom Immunsystem abgebaut. Innerhalb von drei Monaten nimmt das Volumen des Knotens um 60 bis 70 Prozent ab, nach einem Jahr um 85 Prozent. In rund 20 Prozent der Fälle muss die Therapie nach einem Jahr wiederholt werden.

Das Verfahren eigne sich für gutartige Schilddrüsenknoten, auch mit Zysten, die Symptome verursachen, für sogenannte "heiße" Knoten, wenn eine Radiojodtherapie nicht erwünscht ist, und selten auch zur Behandlung kleiner wieder auftauchender Schilddrüsenkarzinome.

Zu Komplikationen kommt es dem Experten zufolge nur sehr selten. Obwohl die Radiofrequenz-Wärmeablation nur ein Drittel einer Operation samt stationärem Aufenthalt im Spital kostet, wird sie derzeit von den Krankenkassen nicht generell bezahlt. Manche Kassen zahlen ein Drittel der Kosten. (APA, red, 20.10.2015)

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