Progrediente MS: Erste medikamentöse Therapie vorgestellt

20. Oktober 2015, 09:21
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Ein neuer monoklonaler Antikörper soll gezielt gegen die – an den Entzündungsreaktionen beteiligten – B-Lymphozyten wirken

Wien/Barcelona/Basel – Erstmals könnte es in Zukunft auch eine medikamentöse Behandlung gegen jene Form der Multiplen Sklerose (MS) geben, die von Beginn der Erkrankung kontinuierlich fortschreitet. Das legen Daten aus einer klinischen Studie nahe, an denen auch österreichische Wissenschafter beteiligt waren.

Beim Kongress der Europäischen MS-Forschungsgesellschaft (ECTRIMS) in Barcelona wurden kürzlich die Resultate der sogenannten Oratorio-Studie vorgestellt. Es handelte sich um eine weltweit durchgeführte, mit Placebo-Gruppe kontrollierte Wirksamkeits- und Sicherheitsstudie der Phase-III mit dem monoklonalen Antikörper Ocrelizumab.

An ihr nahmen 732 Patienten mit primär progredienter MS teil. Zwar tritt die Multiple Sklerose zumeist schubförmig auf, doch bei der selteneren Form der von Anfang an ständig fortschreitenden Krankheit gab es bisher keine wissenschaftlich belegte Therapieform. Deshalb wurde das Biotech-Medikament (zwei Mal 300 Milligramm als Infusion alle sechs Monate im Abstand von zwei Wochen) im Vergleich zu einem Placebo untersucht.

Fortschreiten der Erkrankung reduzieren

Die Dauer der Studie betrug bei allen Patienten mindestens 120 Wochen. Gemessen wurde der Krankheitsverlauf der MS-Patienten."Die Studie zeigte, dass die Behandlung mit Ocrelizumab das (...) Risiko des Fortschreitens der klinischen Behinderung über mindestens zwölf Wochen signifikant um 24 Prozent reduzierte", heißt es in einer Aussendung des Schweizer Pharmakonzerns Roche, dessen Biotech-Tochterunternehmen Genentech das Medikament ursprünglich entwickelte. Weitere Ergebnisse: Das Gehvermögen konnte besser erhalten werden, und die für die MS typischen Entzündungsherde im Gehirn waren kleiner.

Die Multiple Sklerose dürfte eine Autoimmunerkrankung sein, bei der es zu einer Entzündungsreaktion im Gehirn kommt, welche die Isolierschichten der Nervenbahnen so schädigt, dass "Kurzschlüsse" die Motorik immer mehr beeinträchtigen. Bei der häufigsten Form, der schubförmigen MS, gibt es seit vielen Jahren Immunmodulatoren (Beta-Interferon und Glatirameracetat). Sie können die Schubrate um rund ein Drittel senken.

Die von Anfang an fortschreitende Multiple Sklerose – etwa zehn Prozent der MS-Patienten leiden daran – war bisher kaum behandelbar. Ocrelizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der gezielt gegen die – an den Entzündungsreaktionen beteiligten – B-Lymphozyten wirken soll. (APA, 20.10.2015)

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