Syriens Patriarch warnt vor in Europa einsickernden Extremisten

19. Oktober 2015, 18:53
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Ignatius Aphrem II: Europa müsse aufpassen, wer als Flüchtling komme. Patriarch befürchtet auch Verschwinden des Christentums im Mittleren Osten.

Salzburg – Der Patriarch der syrisch-orthodoxen Kirche Ignatius Aphrem II warnt Europa vor dem Einsichern von Extremisten. Europa müsse aufpassen, wer als Flüchtling komme. Es bestehe zu Recht die Angst, dass unter den Flüchtlingen auch IS-Kämpfer und andere Extremisten seien, sagte der Patriarch bei einer Pressekonferenz in Salzburg. Die Meisten würden Frieden und ein besseres Leben suchen, aber es geben auch einen Missbrauch des Systems.

Aphrem betonte in Salzburg auch, dass die syrischen Christen zur legitimen Regierung und einem säkularen Staat stehen würden, "der uns beschützt". Als einzige Chance für Frieden in Syrien sieht er eine internationale Übereinkunft.

Assad und seine Regierung seien immer freundlich zu den Christen gewesen. "Syrien war ein säkularisiertes Land. Die Menschen lebten zusammen. Die christliche Gemeinschaft wurde weder diskriminiert, noch fühlte sie sich bedroht – bis vor fünf Jahren, als plötzlich all diese extremen Ideologien aufgetaucht sind. Was wir brauchen, ist eine starke Regierung, die die gesamte Bevölkerung schützt."

Syrische Theologie

Anlass des Salzburg Besuchs von Aphrem II ist die Eröffnung einer Professur für Geschichte und Theologie des syrischen Christentums sowie eines Master Lehrganges an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Salzburg. Es handelt sich weltweit um den ersten Lehrstuhl dieser Art außerhalb von Syrien. Die Erzdiözese Salzburg hat zur Unterstützung der syrischen Christen zudem im ehemaligen "Leprosenheim" (Siechenhaus) ein Studienkolleg für diesen Studienzweig eingerichtet. Kostenpunkt für die Erzdiözese und die Bischofskonferenz rund 2,5 Millionen Euro.

Im ersten Semester werden sechs oder sieben Studenten dieses Studium belegen. Wobei auch hier die weltpolitische Situation spürbar sei, wie der Dekan der theologischen Fakultät in Salzburg Dietmar Winkler berichtet. Ein Student seien immer noch als Flüchtlinge unterwegs, niemand wisse, wo sich dieser befinde. Ein anderer warte seit Monaten im Libanon auf sein Visum.

Christentum verschwindet

Aus Sicht der syrischen Christen ist der Lehrstuhl in Salzburg auch deshalb von so enormer Bedeutung, weil im Mittleren Osten selbst, die Christen langsam verschwinden würden. Aus dem Irak seien bereits 90 Prozent der Christen verschwunden und 40 Prozent der syrischen Christen hätten das Land bereits verlassen, rechnet Aphrem II vor. für die Internationale Gemeinschaft wäre der Schutz der Christen leider auch nicht die Priorität.

Die syrisch-orthodoxe Kirche zählt rund 3,5 Millionen Mitglieder. Die Gläubigen lebten ursprünglich in ganz Mesopotamien, das unter anderem Teile des heutigen Syriens und dem Irak umfasst. Mittlerweile ist die weltweite Diaspora aber größer, als die Christen in den Kernländern. Allein in Deutschland und in Schweden leben je rund 100.000 syrische Christen.

Ignatius Aphrem II. ist seit 2014 Patriarch der syrisch-orthodoxen Kirche. Zuvor war er als Erzbischof für die Gläubigen in den USA zuständig. Er hat seinen offiziellen Amtssitz trotz des Kriegs in Damaskus. (Thomas Neuhold, 19.10.2015)

  • Patriarch Ignatius Aphrem II traf in Salzburg mit Erzbischof Franz Lackner zusammen.
    foto: eds

    Patriarch Ignatius Aphrem II traf in Salzburg mit Erzbischof Franz Lackner zusammen.

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