Dominoeffekt von Grenzsperren bis nach Serbien

20. Oktober 2015, 10:48
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Flüchtlinge saßen fest – Slowenien öffnete am Montag wieder die Grenzen, schon jetzt sind die Unterkünfte überfüllt

Ljubljana/Zagreb – Slowenien steht angesichts der Verlagerung der Flüchtlingsroute durch das Land zunehmend unter Druck. Die Flüchtlingsunterkünfte des kleinen EU-Landes waren am Dienstag völlig überfüllt. In der Früh befanden sich knapp 3.700 Menschen in den Aufnahmeeinrichtungen, die meisten davon im Nordosten des Landes. Weitere rund 4.700 wurden noch in den Aufnahmezentren an der Grenze zu Serbien versorgt.

Unterdessen schickt Kroatien weiter unangemeldet neue Flüchtlinge an die slowenische Grenze. Alleine an dem kleinen Grenzübergang Rigonce im Südosten des Landes kamen Dienstagfrüh rund 2.000 neue Flüchtlinge an, hieß es aus der Polizeibehörde in Novo mesto. Am Grenzübergang warteten sie auf die Einreise, hieß es. In Rigonce waren bereits am Montag rund 3.000 Flüchtlinge von Kroatien aus angekommen.

Einreise seit Montag

Slowenien ließ am Montagnachmittag wieder alle Flüchtlinge aus Kroatien einreisen. Das Land hatte zuvor darauf reagiert, dass Österreich die Einreise von Flüchtlingen aus dem südlichen Nachbarland auf maximal 1500 Menschen pro Tag begrenzt, und beschränkte daher die Einreise von Flüchtlingen aus Kroatien auf 2500 pro Tag. Die Regierung in Ljubljana betont seit Tagen, dass die Aufnahmekapazitäten des Landes mit 10.000 Personen beschränkt seien. Dazu kommen Engpässe bei der Polizei und den Registrierungen. Ein großer Teil der Flüchtlingsarbeit wird in Slowenien – genauso wie in Österreich – von freiwilligen Helfern gemacht.

Kroatien wiederum akzeptierte die Aufnahmebeschränkung Sloweniens nicht und schickte Flüchtlinge weiter an die Grenze. Dort saßen diese fest. Die slowenische Innenministerin Vesna Györkös Znidar erklärte ihrem kroatischen Amtskollegen Ranko Ostojic, dass dieses Verhalten inakzeptabel wäre, "vor allem weil wir wissen, dass die Flüchtlinge ihre Reise nicht weiterführen können". Znidar erklärte, dass Kroatien die slowenischen Appelle nicht beantworte. Dies könne für Slowenien ein großes Problem werden, weil man die Anzahl der Flüchtlinge nicht vorhersehen könne. "Slowenien kann nicht die Endstation werden, weil wir nicht mit einer unbegrenzten Zahl von Leuten umgehen können."

"Öffnet das Tor!"

Der kroatische Premier Zoran Milanovic betonte, dass er jeden Tag mit seinem slowenischen Amtskollegen Miro Cerar in Kontakt sei und den Vorwurf von Znidar nicht verstehen könne. Über die Haltung Österreichs, nur 1500 Flüchtlinge aus Slowenien einreisen zu lassen, sagte Milanovic zu der Zeitung Novi List, dass die Flüchtlinge ohnehin nach Österreich hereinkommen würden, weil es keine Barriere gäbe. "Also ist das keine Frage von Freiwilligkeit." Das kroatische Flüchtlingslager in Opatovac ist überfüllt. Die allerletzte Möglichkeit für Kroatien sei es, an der Grenze nach Serbien eine Mauer zu bauen, so der Premier. Die kroatische Regierung, die sich im Wahlkampf befindet, schlägt immer wieder nationalistische Töne gegenüber Serbien und Ungarn an.

Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic von der konservativen HDZ meinte am Montag, dass 80 Prozent der Menschen, die Kroatien passieren würden, Wirtschaftsflüchtlinge seien.

Auch Kroatien will nun doch tausende Flüchtlinge aus Serbien einreisen lassen, nachdem die Einreise zunächst eingeschränkt worden war. Flüchtlinge in Serbien skandierten am Montag: "Öffnet das Tor! Öffnet das Tor!" Die Beziehungen zwischen Kroatien und Serbien sind aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Vergangenheit angespannt. (awö, 19.10.2015)

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