Griss-Kandidatur: Präsidialer Frühstart

Kommentar19. Oktober 2015, 17:38
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Irmgard Griss ist bereit

Irmgard Griss hat sich früh aus der Deckung gewagt, zu früh vielleicht. Die ehemalige Höchstrichterin, die sich als Leiterin der "Griss-Kommission" hinsichtlich des Hypo-Debakels einen Namen gemacht hat, möchte nun doch Bundespräsidentin werden. "Ich bin bereit", sagt sie. Aber ist auch die Öffentlichkeit schon bereit?

Was Griss am Montagmorgen bekanntgab, klang fast wie ein Inserat, mit dem sie um Unterstützung ersucht. Auch durch die FPÖ. Sie würde sich auch von den Freiheitlichen unterstützen lassen, und sie würde als Präsidentin einen FPÖ-Kandidaten selbstverständlich auch zum Bundeskanzler angeloben. Griss begründete ihre Aussage rechtlich, nicht politisch, aber die Botschaft dahinter war deutlich zu vernehmen: keine Ausgrenzung freiheitlicher Wähler, freiheitlicher Kandidaten, freiheitlicher Politik.

Damit werden am anderen Ende der politischen Skala, wo es grün und rötlich wird, einige ihr Problem haben. Eine Kandidatin, die von den Freiheitlichen mitgetragen wird und sich gern von diesen mittragen lässt, wird bei den meisten Grünen, vielen Roten und selbst bei etlichen Schwarzen keine Begeisterungsstürme auslösen.

Um das zu diskutieren, bleibt jetzt zu viel Zeit – ehe sich die Kandidaten der anderen Parteien outen, was voraussichtlich erst gegen Jahresende der Fall sein wird. Griss könnte sich abnützen. Aber eine Bereicherung ist ihre Kandidatur allemal. Wenn sie es nur aushält. (Michael Völker, 19.10.2015)

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