Roger Köppel: Schweizer Journalist auf parteipolitischem Kurs der SVP

Kopf des Tages19. Oktober 2015, 16:30
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Der Chefredakteur der "Weltwoche" zieht nach der Parlamentswahl für die SVP in den Nationalrat ein

Wenn oben ,Köppel' steht, muss ich den Text nicht mehr lesen", spottete der größte Schweizer Verleger Michael Ringier, der in der Schweiz das Boulevardblatt "Blick" und in Deutschland das Intellektuellen-Salonblatt "Cicero" herausgibt, jüngst über seinen Berufskollegen Roger Köppel, der als Chefredakteur und Verleger die "Weltwoche" auf einen nationalkonservativen Kurs getrimmt hat.

Und so wie Ringier dachten und denken viele in der Schweiz über den studierten Wirtschaftshistoriker und Philosophen, den scharfzüngigen und schlagfertigen Debattierer, den gern gesehenen Gast in deutschen TV-Talkshows, der mit gezielten Tabubrüchen Quote bringt und das Bild der Schweiz als egoistische Rosinenpickernation mitprägt.

Ihnen allen hat es Roger Köppel nun gezeigt: Mit dem landesweit besten Resultat aller Kandidaten schaffte der Quereinsteiger überraschend klar die Wahl in den Nationalrat, auf der Liste der rechtskonservativen Volkspartei SVP, die am Sonntag einen für Schweizer Verhältnisse überaus deutlichen Wahlerfolg eingefahren hat. Unter anderem auch wegen Köppel, der für eine neue Entwicklung in der Partei steht: Es sind nicht mehr überwiegend Gewerbetreibende und Bauern, die für die SVP antreten, sondern zunehmend Intellektuelle, Juristen, Bankiers und Unternehmer. Und so ist einer wie Köppel mittlerweile nicht mehr das rechtspopulistische Schmuddelkind: "Ich habe als "Weltwoche"-Chefredakteur sicher auch viele Wählerinnen und Wähler außerhalb der SVP angesprochen", sagte Köppel in einem Interview nach seiner Wahl. "Ich stehe seit Jahren für zentrale Grundpfeiler der Schweiz: Unabhängigkeit gegenüber der EU; Einsatz für die direkte Demokratie und für die Volksrechte; kritische Haltung gegenüber dem ausufernden Staat, Einsatz für die bewaffnete Neutralität."

Der jugendlich aussehende, doch bereits 50-Jährige ist mit einer gebürtigen Vietnamesin verheiratet und Vater von drei Kindern; er gilt als Workaholic, der selten auf Partys zu sehen ist, sondern lieber abends im Büro noch Textfahnen redigiert oder Bücher liest. Mit seiner Wahl zum Nationalratsabgeordneten wird er nun eine schwierige Doppelrolle zu spielen haben: als loyaler Parteiabgeordneter auf SVP-Kurs einerseits und als unabhängiger Journalist anderseits, der nichts und niemandem verpflichtet ist – denn Köppel will weiterhin Chefredakteur bleiben. (Klaus Bonanomi, 19.10.2015)

  • Roger Köppel erreichte das landesweit beste Resultat aller Kandidaten.
    foto: reuters/arnd wiegmann

    Roger Köppel erreichte das landesweit beste Resultat aller Kandidaten.

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