Indiens Zentralbank-Chef kritisiert ultralockere Geldpolitik

19. Oktober 2015, 14:22
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Ehemaliger IWF-Chefvolkswirt fordert stärkere Rolle für Schwellenländer

Mumbai – Indiens Zentralbank-Chef Raghuram Rajan hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgerufen, die ultralockere Geldpolitik in den Industriestaaten stärker zu hinterfragen. Industrieländer hätten ihre Geldpolitik vorangetrieben, ohne negative Folgen für die globale Wirtschaft zu berücksichtigen, sagte Rajan, der selbst einmal IWF-Chefvolkswirt war, in einer Rede am Montag im Vorfeld des geplanten G20-Gipfels in der Türkei im November. Insgesamt sollten Schwellenländer eine stärkere Stimme in den globalen Debatten haben.

Es sei an der Zeit, dass politische Entscheidungsträger, angeführt vom IWF, sich mit dieser "extremen" Politik beschäftigten, sagte Rajan. Ansonsten müsse man sich sorgen, wo das enden werde. "Der IWF hat am Rande gestanden und dieser Art von Politik applaudiert, seit sie gestartet wurde und hat ihren Wert nicht wirklich hinterfragt", kritisierte Rajan.

Aufforderung an Schwellenländer

Indiens Notenbank-Chef gilt als Kritiker der ultralockeren Geldpolitik in den Industriestaaten und solcher Länder, die sich über Währungspolitik Wettbewerbsvorteile auf dem Weltmarkt verschaffen wollen. Einzelne Staaten nannte Rajan aber nicht. In seiner Rede forderte er Schwellenländer auf, diese Politik zurückzudrängen.

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hält die Leitzinsen bereits seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. Inzwischen steuert die Fed ein Ende der Ära des billigen Geldes an. Der genaue Zeitpunkt der Zinswende ist aber noch unklar. In der Euro-Zone liegt der Leitzins seit September 2014 auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent – hier ist ein Ende der Niedrigzins-Politik nicht absehbar. Zudem pumpt die EZB mit dem Kauf von Staatsanleihen seit März Woche für Woche Milliarden in das Finanzsystem, um die ihrer Ansicht nach gefährlich niedrige Inflation im Währungsraum anzuschieben. (Reuters, 19.10.2015)

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