Lasst Harald doch einfach schreiben

23. Oktober 2015, 18:20
9 Postings

Martenstein und Co "kritisch beschweigen", wie Schwangere bevormundet werden und Wünsche an die Neuauflage der "Gilmore Girls"

Empörungsschleife: Es sei immer dasselbe Spiel, schreibt "Freitag"-Autor Nils Markwardt. Erst liefern Kolumnisten wie Harald Martenstein oder Matthias Matussek ein paar Ressentiments – worüber der vom Tugendterror arg gebeutelte Bildungsbürger beherzt und befreit lacht. Und die anderen, diejenigen, die Rassismus, Sexismus oder – wie kürzlich in Martensteins Kolumne im "Zeitmagazin" – Neokolonialismus irgendwie als gestrig oder zu überwinden erachten, regen sich brav auf.

Natürlich müsse laut widersprochen werden, schreibt Markwardt. Aber dieser Aufmerksamkeitsapparat werde doch schon zu lange und zu durchschaubar angeworfen: "Man schüttet oben ein paar Ressentiments in die Diskursmaschine, wartet, dass diese kräftig heiß läuft und rechtfertigt sich am Ende damit, dass das, was unten rauskommt, ja dann doch eine unbedingt notwendige 'Debatte' provoziert hätte. Und, schwuppdiwupp, kann man aus letzterer dann noch mindestens zwei, drei weitere Artikel destillieren, die einen Kommentar zu den Kommentaren des ursprünglichen Kommentars abgeben." Nils Markwardt schlägt vor, doch nicht über "jedes reaktionäre Stöckchen zu springen".

Anweisungsstopp: Der Blog "kleinerdrei" nimmt sich der Bevormundung schwangerer Frauen an. Die üblichen Schwangeren-Ratgeber sind voll von Do's und Don'ts, doch warum genau die Schwangere dieses oder jenes nicht tun soll, wird hingegen gern ausgespart, schreibt die Autorin. Einfach daran halten, sicher ist sicher. Außerdem steht frau unter Beobachtung: Der Kollege kommentiert das Kaffeehäferl in der Hand mit "hoffentlich koffeinfrei" und eine Barfrau wendet sich an das "Süddeutsche Zeitung Magazin" mit der Frage: "Darf ich einer schwangeren Frau ein Bier ausschenken?"

Auf "kleinerdrei" heißt es dazu: "Ich möchte hier keinesfalls dazu aufrufen, in der Schwangerschaft hemmungslos zu saufen. Aber wie wäre es mit ein bisschen mehr Respekt vor dem Selbstbestimmungsrecht schwangerer Frauen?" Die Autorin Emily Oster hat sich diverse Ver- und Gebote genauer angesehen und das Buch "Expecting Better: Why the Conventional Pregnancy Wisdom Is Wrong – and What You Really Need to Know" geschrieben, das in dem Blog wärmstens empfohlen wird. Im Gegensatz zu anderen Büchern für Schwangere müssen die werdenden Mütter letztlich aber ihre eigenen Schlüsse aus den Informationen, die Oster zusammengetragen hat, ziehen. Ratschläge will Emily Oster ihren Leserinnen keine erteilten.

Auferstehung der "Gilmore Girls": Den an Popkultur interessierten Feministinnen war die US-Serie "Gilmore Girls" stets eingehende Betrachtungen wert. Hauptfigur Lorelai Gilmore emanzipiert sich nicht nur vom Upper-Class-Dasein ihrer Eltern, sondern geht auch in allen anderen Dingen ihre eigenen Weg. Außerdem: Lorelai, ihre Tochte Rory oder auch deren Freundinnen Paris und Lane streuen über sieben Staffeln zahlreiche Popkulturreferenzen, in denen Frauen besonders oft genannt wurden. Und Rory spricht gern und viel von Journalistinnen, die sie sich als Vorbilder nimmt. Nicht zu vergessen, die vielen alternativen Männerbilder, die in der Serie geboten werden.

Nun sollen die "Gilmore Girls" in einer Miniserie noch ein paar Extrarunden drehen. Das "Bust Magazine" hat sich schon ein paar Gedanken gemacht, was im Serien-Revival nicht fehlen darf. Da wäre zum Beispiel ein besseres Ende für Lane. Die Schlagzeugerin, die sich mühsam aus den religiösen Fängen ihrer Familie befreit hat, landet gegen Ende der letzten Folgen mit Anfang zwanzig in einer Ehe und muss auch gleich gleich Zwillinge zur Welt bringen – und gibt ihre Träume vom Leben als Rockstar auf. Auch die Geschichte der besten Freundin von Lorelai, der Köchin Sookie St. James, könnte laut "Bust" ein besseres Ende finden. Lesetipp für Fans. (red, 23.10.2015)

dieWochenschau versammelt einige feministische Debatten und Ereignisse der vergangenen Woche, die in Blogs, sozialen Medien oder anderen Zeitungen aufgetaucht sind.

  • Wenn Kolumnisten in die Tasten hauen, sollte man sich über das Ergebnis nicht immer aufregen, schlägt Nils Markwardt vor.
    foto: heribert corn

    Wenn Kolumnisten in die Tasten hauen, sollte man sich über das Ergebnis nicht immer aufregen, schlägt Nils Markwardt vor.

Share if you care.