Vorarlberg: Rechte Schmierereien auf jüdischem Friedhof

19. Oktober 2015, 13:49
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Der jüdische Friedhof Hohenems und der islamische Friedhof Altach wurden mit Neonazi-Codes und Beleidigungen beschmiert. Die Polizei sucht Zeugen

Hohenems/Altach – Der jüdische Friedhof in Hohenems und der in der Nähe liegende islamische Friedhof Altach waren vergangenes Wochenende Ziel von Neonazi-Attacken. Friedhofsmauern und Gebäude wurden mit Hakenkreuzen, dem Neonazi-Code "1488!!" und wüsten antisemitischen ("Wir brauchen keine Judenschweine") und ausländerfeindlichen Parolen ("Nieder mit der Türkenpest") beschmiert.

Wie in der Nacht vom 4. Oktober, als ein Flüchtlingshaus, Stolpersteine zur Erinnerung an Naziopfer und Gebäude im jüdischen Viertel von Hohenems Ziel der Schmierer waren, wurden ähnliche Schreibwerkzeuge verwendet. Nur die Farbe der Marker wechselte die Täterschaft von Rot auf Blau. Die Polizei sieht einen "Tatzusammenhang".

Rechte Codes

Der Code 88 wird in der rechtsextremen Szene immer wieder verwendet, heißt es aus der Landespolizeidirektion. Zur Erklärung: "8" steht für den achten Buchstaben im Alphabet, "88" bedeutet "Heil Hitler". "14" ist in Vorarlberg nur Insidern bekannt. Der Code kommt aus der rechtsextremen Szene der USA und steht für "14 Words", die Kurzfassung der US-Neonazi-Ideologie: "We must secure the existence of our people and a future for White children" (Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft für die weißen Kinder sichern). Der Satz stammt von dem rechtsextremen Terroristen David Eden Lane. Lane war an der Ermordung des jüdischen Radiomoderators Alan Berg beteiligt und wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

Bisher gibt es weder zu den Sachbeschädigungen vom 4. Oktober noch zu den aktuellen Ereignissen Ermittlungsergebnisse. Die Polizei bittet um Hinweise. Die Tat beim jüdischen Friedhof dürfte zwischen Samstag, 18 Uhr, und Sonntag, 11 Uhr, begangen worden sein, beim islamischen Friedhof grenzt die Polizei die Tatzeit auf fünf Uhr morgens ein.

Häufung von Vorfällen

Zu einem weiteren Vorfall kam es Donnerstagabend im Vorarlberg-Museum. Ein unbekannter junger Mann, der sich stolz als "Rechter" bezeichnete, nutzte nach einer Buchpräsentation das Podium zur Verbreitung seiner Gedanken, die sich um Staatsschutz, Sicherheit und Ausländer drehten.

Der Auftritt war kein Zufall. Vorgestellt wurde der dritte Teil der Vorarlberger Landesgeschichte, "Das Land Vorarlberg 1861–2015". Dessen Autor, der Historiker Meinrad Pichler, gilt als profunder Kenner der Vorarlberger Zeitgeschichte. 2012 erschien von ihm "Nationalsozialismus in Vorarlberg. Opfer – Täter – Gegner", die erste umfassende Darstellung des Themas. (Jutta Berger, 19.10.2015)

Info

Hinweise an die Polizeiinspektion Altach, Tel. +43 (0) 59 133 8151, oder die Polizeiinspektion Hohenems, Tel. +43 (0) 59 133 8142.

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