Fernwärmenetze noch nicht auf Energiewende vorbereitet

19. Oktober 2015, 12:28
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Benötigt werden flexiblere Netze und Speichertechnologien

Wien – Im Zuge der Energiewende soll der Anteil erneuerbarer Energie im Bereich Heizen und Kühlen erhöht werden. Fernwärmenetze seien in der Regel darauf aber noch nicht vorbereitet. Im Rahmen einer Studie wurde nun erhoben, in welchen Bereichen Forschung und Technologieentwicklung vorangetrieben werden sollten. Die Ergebnisse flossen in einen Entwicklungsplan, der am Montag in Wien vorgestellt wurde.

Nah- und Fernwärmeproduktion macht in Österreich 7,2 Prozent des gesamten Energieverbrauches aus. Schon alleine deshalb, aber auch ob der Tatsache, dass diese Netze wichtige Infrastrukturteile des gesamten heimischen Energiesystems darstellen, zeige sich, dass es sich um einen "tragenden Teil" der viel zitierten Energiewende handle, erklärte die Leiterin des Energy Departments am Austrian Institute of Technology (AIT), Brigitte Bach.

Großes Potenzial nicht ausgeschöpft

Momentan kommt ein großer Teil der Energie, die in diese Netz eingespeist wird, aus der Verbrennung fossiler Energieträger, wie etwa Erdgas. Dementsprechend seien die meisten Systeme noch nicht darauf ausgelegt, auch in großem Ausmaß aus Energie aus Solar-, Geothermie oder Abwärme aus der Industrie dezentral gespeist zu werden. Hier gebe es noch viele technologischen Fragen zu lösen, so ein Ergebnis des vom AIT in Kooperation mit der Universität Linz und der Agentur e7 Energie Markt Analyse im Auftrag des Klima- und Energiefonds (Klien) erstellten "Forschungs-Fahrplan für Fernwärme und -kälte".

Das Potenzial für die Einspeisung von Energie aus alternativen Quellen ist nach Einschätzung von Klien-Geschäftsführerin Theresia Vogel weit höher als der momentane österreichweite Anteil von sieben Prozent aus der Verbrennung von Abfällen und der lediglich 0,7 Prozent aus Solar-, Geothermie und Wärmepumpen. Das Thema sei jedenfalls "angekommen", denn flexiblere Systeme würden die regionale Versorgungssicherheit erhöhen und die Abhängigkeit von Energieträger-Importen reduzieren.

Anreize für Verbraucher

Laut Bach stünden in der Forschung nun beispielsweise die Fragen im Zentrum, "ob man Energie im Sommer einfach ansammeln kann, um sie dann im Winter abzugeben", die Umwandlung von Strom in Wärme zu Zeiten mit Stromüberschuss oder der sinnvolle Einsatz von Wärmepumpen. Diese Probleme müssten in enger Partnerschaft mit Netzbetreibern angegangen werden. Als solcher gelte es aber nicht nur auf das Netz zu schauen, das die Energie liefert, sondern auch Anreize für Endverbraucher zu schaffen und effizientere Anlagen zu installieren, erklärte Thomas Pucharski, Leiter Vertrieb Energie und Energiedienstleistungen von Wien Energie.

Ein Zukunftsbereich sei das Thema "Kühlung". Zwar hielten sich die Erfahrungen mit Fernkälte in Österreich noch in Grenzen, angesichts des Klimawandels, mit tendenziell höheren Temperaturen im Jahresmittel und zu Spitzenzeiten im Sommer, orten die Experten auch in unseren Breiten "großes Potenzial". (APA, 19.10.2015)

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