Samsung Gear S2: Fortschritt auf der Smartwatch-Baustelle

19. Oktober 2015, 10:41
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Wearable begeistert in ersten Tests mit Display und Interface, leidet aber unter App-Mangel

Vor einem Jahr brachte Samsung mit der Gear S seine eigene Vorstellung einer Smartwatch auf den Markt, die auch als eigenständiges Handy fungieren kann. Das Wearable erwieß sich als passabler Fitnesstracker, aber sonst als eher klobig und wenig ausgereift.

Doch es wäre nicht Samsung, würde man nicht zumindest mit einer zweiten Generation experimentieren. Und diese ist mittlerweile fertig. Erste Rezensionen sehen gute Fortschritte auf der Baustelle am Handgelenk. Doch die Arbeiten sind längst noch nicht abgeschlossen.

Zwei Varianten

Bei den Äußerlichkeiten der Uhr hat Samsung aufgeräumt. Statt eines großen, viereckigen, gekrümmten Displayblocks präsentiert sich die Gear S2 mit einem kleineren runden Bildschirm. The Verge vergleicht sie größentechnisch mit dem kleineren der beiden neuen Moto360-Uhren von Motorola. Sie kommt in zwei Ausgaben: Einer silbernen Ausgabe in sportlichem Finish und Kunststoffarmband um 300 Dollar. Für 50 Dollar mehr gibt es eine dunklere "Classic"-Edition mit Lederband.

Die Sportversion nutzt proprietäre Verschlüsse für die Befestigung der Armbänder, die teurere Ausgabe nutzt einen normalen 20 Millimeter-Verschluss. Im deutschsprachigen Raum werden die Uhren ab 350 Euro (Sport) bzw. 380 Euro (Classic) angeboten.

Viel Lob für Interface und Display

Dem runden Design wurde auch die Steuerung angepasst. Um sich durch Apps und Einstellungeen zu bewegen, wird der berührungsempfindliche Randbereich genutzt. Das erleichtert die Übersicht, da man nicht mit dem Finger direkt am Touchdisplay hantieren muss. Die Kritiker, etwa auch bei Engadget, zeigen sich von der Umsetzung begeistert.

Das Display selbst sorgt auch für positives Feedback. Mit 302 PPI löst das 1,2-Zoll-Panel so scharf auf, wie die Bildschirme aktueller Spitzenhandys. Dank AMOLED-Technologie sorgt es außerdem für satte Farben und hohe Helligkeit. Inhalte sind somit auch unter Sonnenlicht sehr gut ablesbar.

Wird die Uhr nicht genutzt, schaltet sich das Display komplett ab, optional gibt es aber einen Modus, in dem permanent die Zeit angezeigt wird, was allerdings zu Lasten der Akkulaufzeit geht. Bis zu zwei Tage lang soll die Gear S2 durchhalten können.

Performanceprobleme

In Sachen Performance ergibt sich allerdings ein gemischter Eindruck. Alle einfachen Aktionen, etwa das Abrufen von Nachrichten vom Handy oder die Fitnessfunktionen, werden flott ausgeführt. Bei manchen Apps von Drittanbietern oder Dingen wie dem Anzeigen einer Umgebungskarte lassen sich mitunter jedoch nervige Ladezeiten feststellen.

Schwachstelle Tizen

In einigen Bereichen ist Samsung also ein großer Fortschritt gelungen. Eine Schwäche bleibt dem Gerät jedoch auch in seiner zweiten Iteration erhalten: Die Software-Plattform. Bei der Gear S2 verzichtet der Hersteller abermals auf Android Wear und setzt auf Tizen.

Die verbesserte Bedienoberfläche kann dabei nicht verheimlichen, dass es immer noch deutlich an Unterstützung durch Dritthersteller mangelt. Angesichts der bislang mageren Verbreitung dürfte es für Samsung die größte Herausforderung werden, mehr Entwickler an Bord zu kriegen.

Ausbaufähig ist zudem noch die Sprachsteuerung. Sie ermöglicht einfache Kommandos wie das Stellen eines Weckers, Ausführen einer Websuche oder Diktieren einer Nachricht. Vorausgesetzt, man habe "die Geduld eines Heiligen" (Zitat The Verge). To-Dos oder Erinnerungen werden seltsamerweise nicht unterstützt.

Fortschritte, aber...

Wer eine Smartwatch sucht, die gut darin ist, verschiedene Basics zu erledigen, findet in der Gear S2 ein empfehlenswertes Produkt, so das Fazit der ersten Kritiken. Darüber hinaus zeigt die Smartwatch gute Ansätze, von der einfachen Bedienung kann sich etwa Googles Android Wear noch eine Scheibe abschneiden. Doch die Schwächen vermag das nur teilweise aufzuwiegen.

Die größte Ungewissheit liegt in der Zukunft des Tizen-Systems, das noch kaum durch App-Entwickler unterstützt wird. Wo sich etwa Pebble dank Pionierarbeit eine kritische Masse an Fans erarbeiten konnte, um ein eigenes Ökosystem aufzubauen und am Leben zu erhalten, steht Samsung hier nach wie vor noch am Anfang. (gpi, 19.10.2015)

  • Mit der Gear S2 ist Samsung ein deutlicher Fortschritt zur ersten Generation gelungen.

    Mit der Gear S2 ist Samsung ein deutlicher Fortschritt zur ersten Generation gelungen.

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