Keine Kubaner in Syrien, aber Sudanesen im Jemen

Analyse19. Oktober 2015, 13:11
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Dass kubanische Soldaten in Syrien kämpfen, ist ein Gerücht. Der Sudan hat aber tatsächlich 300 Mann in den Jemen geschickt

Man könnte langsam den Überblick darüber verlieren, wer wo mit wem und gegen wen kämpft im Nahen Osten. Tatsächlich ein Spin dürfte die zuletzt zirkulierende Meldung sein, dass Soldaten aus Kuba – und zwar der regulären Armee – auf der Seite Russlands und des Assad-Regimes in Syrien kämpfen. Nach einem Dementi aus Washington, das sich ja mit Kuba auf einem noch ganz jungen Normalisierungskurs befindet, kam auch ein sehr entschiedenes aus Havanna. Und die werden ja wissen, wo ihre Armee im Einsatz ist.

Sicher ist hingegen, dass am Samstag das versprochene Bataillon aus dem Sudan in Aden im Jemen eingetroffen ist; das hat ein Sprecher der saudisch geführten Militärallianz, die gegen die Huthi-Rebellen und deren Verbündete kämpft, verkündet. Das Bataillon ist mit 300 Mann nicht groß, und die Soldaten sollen offenbar nicht in den Kampfeinsatz, sondern Polizeiaufgaben in Aden übernehmen. Denn die Stadt ist zwar von der Militärallianz von den Rebellen befreit worden, aber alles andere als sicher.

Sicherheitsproblem in Aden

Aus dem Krieg in Jemen hat man fast keine von unabhängiger Seite bestätigten Informationen, aber es wird berichtet, dass es im befreiten Aden ein massives Sicherheitsproblem gibt. Die Militärallianz, die die Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi wiedereinsetzen will (diese sitzt ja schon wieder zumindest teilweise in Aden), macht vor allem die Rebellen – die zaiditisch-schiitischen Huthis und die Anhänger des 2012 von Hadi abgelösten Präsidenten Ali Abdullah Saleh – verantwortlich.

Aber in das Vakuum im Jemen sind, wie nicht anders zu erwarten war, nicht nur die dort stark verankerte Al-Kaida, sondern auch schon der "Islamische Staat" vorgedrungen, der sich zu einem Attentat auf das Hauptquartier der Allianz in Jemen bekannte – und gleichzeitig auch auf eine schiitische Moschee in Sanaa.

Omar al-Bashir auf Kurs gebracht

Die Entsendung von sudanesischen Soldaten besiegelt die Versöhnung Saudi-Arabiens mit dem Sudan von Omar al-Bashir. Der kranke, eigentlich amtsmüde Präsident, 1989 durch einen Putsch ins Amt gekommen, ließ sich erst im April wieder neu wählen, wohl ein trauriger Nebeneffekt des Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshof (ICC) wegen der Kriegsverbrechen in Darfur. Anders als der junge Bashar al-Assad, der nach seinem Amtsantritt im Jahr 2000 den saudischen Kronprinzen und (ab 2005) König Abdullah bin Abdulaziz an der Nase herumführte – Assad signalisierte den Willen, in die arabische Umarmung zurückzukehren, dachte aber nie daran, seine Allianz mit dem Iran aufzugeben –, hat Bashir letztlich dem saudischen Druck nachgegeben.

Dass der Sudan bei der iranischen Unterstützung der Hamas im Gazastreifen Hilfe leistete, indem er sein Territorium zur Verfügung stellte – man erinnere sich an diverse israelische Luftangriffe –, war die eine Sache. Energisch wurden die Saudis aber, als der Verdacht aufkam, dass iranische Unterstützung für die Rebellen im Jemen ebenfalls über den Sudan kam. Da wurden Bashir wohl einige saudische Ruten ins Fenster gestellt – aber auch Anreize geschaffen. Beide Seiten dementierten zwar, dass einige Milliarden Dollar in der Zentralbank in Khartoum deponiert wurden, stattdessen war von saudischen Investitionen die Rede. Und die sudanesische Regierung ließ prompt iranische Kultureinrichtungen überall im Land schließen – angeblich, weil sie schiitische Mission betrieben hatten.

Neben Sudan auch Senegal

Die militärische Koalition, die der Verteidigungsminister, Vizekronprinz und Sohn des Königs, Mohammed bin Salman, um Saudi-Arabien geschart hat, kann sich sehen lassen: Im Jemen-Einsatz sind Soldaten aus allen Ländern des Golfkooperationsrats (GCC) außer dem Oman, also Kuwait, Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate und Katar. Ebenso beteiligt sind die arabischen Monarchien Jordanien und Marokko – die, eben weil sie Monarchien sind wie die Golfemirate, näher an den GCC herangezogen werden sollten (woran sie jedoch beschränktes Interesse zeigten).

Ebenso dazu gehört Ägypten, das den Saudis in Dankbarkeit dafür verpflichtet ist, dass sie bei der Entfernung der Muslimbrüder von der Macht behilflich waren. Ägypten trägt den antiiranischen Kurs voll mit, nur in Syrien hat es seine eigenen Ansichten. Bei dieser Gelegenheit könnte man auch daran erinnern, dass in den 1960er-Jahren die saudische Monarchie die Loyalisten der gestürzten zaiditischen Dynastie im Nordjemen bei ihrem Kampf gegen die Republikaner unterstützt hatte, an deren Seite Ägypten unter Nasser stand.

Pakistan gab den Saudis einen schmerzlichen Korb, hingegen sind mehr als 2.000 Soldaten aus dem Senegal im Jemen im Einsatz: Es gibt da zwar eine entsprechende islamisch begründete Tradition, aber auch hier dürften saudische "Investitionen" den Ausschlag gegeben haben. Zur Allianz wird auch noch Somalia gerechnet, das Luftraum und Hoheitsgewässer zur Verfügung stellt – viel mehr hätten sie auch nicht. Und dann sind da natürlich noch die USA mit logistischer und anderer militärischer Unterstützung. (Gudrun Harrer, 19.10.2015)

  • Jemens Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi (links, im Exil) im Gespräch mit dem sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir.
    foto: epa/morwan

    Jemens Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi (links, im Exil) im Gespräch mit dem sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir.

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