Gefälschte Bewertungen: Amazon zeigt über tausend Nutzer an

19. Oktober 2015, 09:07
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Onlinehändler kündigt hartes Vorgehen gegen gekaufte Rezensionen an

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon hat eine Anzeige gegen über 1.000 seiner Nutzer eingereicht. Die Plattform wirft den Angeklagten vor, für geringe monetäre Beträge "falsche, irreführende und nicht authentische" Rezensionen auf Amazon veröffentlicht zu haben. Das verstoße nicht nur gegen die Nutzungsbedingungen des Händlers, vielmehr werde die Marke Amazon dadurch in der Öffentlichkeit beschädigt. Amazon verlässt sich auf Produktbewertungen seiner Kunden, die für Nutzer oft den entscheidenden Ausschlag geben.

Aktion scharf

Schon vor einigen Monaten war Amazon gegen Websites vorgegangen, die Unternehmen gefälschte Bewertungen verkaufen wollten. Jetzt stehen 1.114 US-amerikanische Nutzer im Zentrum des Rechtsstreits. Sie sollen beispielsweise über Fiverr, ein Plattform zur Arbeitsvermittlung, für das Verfassen gefälschter Bewertungen angeworben worden sein. Fiverr – wohl froh, nicht selbst von Amazon angezeigt zu werden – hat dem Onlinehändler volle Unterstützung zugesichert. Zuvor waren einige Mitarbeiter von Fiverr zu Amazon gewechselt, sie dürften Wissen über Insiderpraktiken mitgebracht haben.

Algorithmen filtern Fake-Bewertungen

Amazon setzt primär auf Algorithmen, um gefälschte Bewertungen zu identifizieren. In der Beschwerde, die der Händler vor Gericht eingebracht hat, werden etwa Kritiken zu einem USB-Kabel zitiert. Dort schreiben Nutzer, das USB-Kabel habe ihr "Leben verändert", andere werden "definitiv noch mehr Stück bestellen". Die britische Sunday Times hat erst vergangene Woche aufgedeckt, wie ein E-Book mit geringen Investitionen zum Amazon-Topseller wird, indem eine Vielzahl an Fake-Bewertungen geschrieben werden.

In Österreich hatte die PR-Agentur mhoch3 (Modern Mind Marketing) für Aufsehen gesorgt: Ihre Mitarbeiter hatten tausende Postings auf Online-Portalen manipuliert. Das Magazin Datum hatte die Praxis aufgedeckt, der PR-Ethikrat daraufhin eine Rüge ausgesprochen. (fsc, 19.10.2015)

  • Amazon geht gegen gekaufte Produktbesprechungen vor
    foto: apa/epa/kazmarczyk

    Amazon geht gegen gekaufte Produktbesprechungen vor

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