Ferrari will an New Yorker Börse durchstarten

18. Oktober 2015, 10:52
5 Postings

Während die Fiat-Chrysler-Aktie vom angekündigten Börsegang des Pferdchens profitiert, zweifeln Analysten an einem Höhenflug

Maranello/Amsterdam – Nobelkarossen sind in Manhattan nicht selten. Doch gleich zweiFerrari-Edelmodelle hintereinander sieht man auch auf der 6th Avenue nichtalle Tage. Anlass ist der bevorstehende Börsengang des legendären italienischen Sportwagenbauers Ferrari an der Wall Street.

Um die Werbetrommel für die neuen Aktien zu rühren, hat die InvestmentbankUBS die Luxusschlitten – eine rote F12 Berlinetta und ein blaues CaliforniaCabrio – vor ihrem New Yorker Hauptquartier aufgefahren. Passend sozusagenzur "Road Show", wie die Marketingkampagnen vor Börsengängen imFinanzjargon heißen.

Die Vorbereitungen für das Börsendebüt der exklusiven Automarke aus demnorditalienischen Maranello nehmen Fahrt auf. Schon am Dienstag könnten diePapiere unter dem passenden Kürzel RACE – zu Deutsch: Wettfahrt – erstmalsan der New York Stock Exchange gehandelt werden, heißt es in Finanzkreisen.Offiziell bestätigt ist der Termin noch nicht, doch in jedem Fall steht erunmittelbar bevor. Sergio Marchionne, Vorstandchef der MuttergesellschaftFiat Chrysler (FCA) und Ferrari-Präsident in Personalunion, verfolgt mitder Platzierung an dem renommierten Aktienmarkt große Ziele.

Knappe Milliarde Erlös

Bisher hält FCA 90 Prozent an Ferrari. Der Rest gehört Piero Ferrari, Sohndes legendären Firmengründers Enzo Ferrari (1898-1988), der einst mit dem"Cavallino rampante", dem sich aufbäumenden Pferdchen, das vielleichtbekannteste Markenzeichen Italiens schuf und in seiner Heimat eineKultfigur ist. Nun sollen neun Prozent der FCA-Papiere den Anlegernangeboten werden, mit der Option, ein weiteres Prozent zu kaufen. DiePapiere werden in einer Preisspanne zwischen 48 und 52 US-Dollar angeboten,eine knappe Milliarde Dollar (880 Mio. Euro) könnte da zusammenkommen.

Die restlichen 80 Prozent bleiben bei Fiat Chrysler – erst einmal, dennAnfang 2016 sollen sie dann an die FCA-Aktionäre verteilt werden. Dann wirdjeder Fiat-Kleinaktionär Anteilseigner an der Nobelmarke, von der 2014 nur7255 Stück die Werkstore in Maranello verließen. Jedes Jahr strömen Liebhaber aus aller Welt in die Kleinstadt südlich von Enzo Ferraris Geburtsort Modena, um sich das Ferrari-Museum anzuschauen oder zu Preisen ab 70 Euro aufwärts pro zehn Minuten selber eine Runde mit einem der Flitzer zu drehen.

Fehlstart

Der Börsengang des "Pferdchens" glich bisher allerdings eher einem Stotterstart als einer Vollgasveranstaltung. Bereits vor gut einem Jahrhatte FCA angekündigt, die Sportwagentochter abzuspalten, doch dann zogsich das Ganze unerwartet lange hin. Und manche Analysten sind skeptisch, ob sich Ferrari-Aktionäre am Ende wirklich als Sieger fühlen können. "Einige Cheerleader brauchen eine kalte Dusche", warnt Max Warburton vom Analysehaus Bernstein. Ferrari sei wachstumsschwach und verschlinge massive Technologie-Kosten, warnt der Branchenkenner.

Einer dürfte sich auf jeden Fall die Hände reiben: Chef Marchionne, derItalo-Kanadier, den sie intern auch "den Mann mit den zwei Gehirnen"nennen. Er hat das "Cavallino" genutzt, um die Aktie der angeschlagenenKonzernmutter in die Höhe zu treiben. Denn seit bekannt wurde, dass es fürFiat-Aktien Ferrari-Aktien geben wird, wurden erstere zum Verkaufsschlager.Seit Marchionne den Ferrari-Börsengang ankündigte, ist der FCA-Kurs um mehrals 80 Prozent gestiegen. Das ist ganz im Sinne von Marchionne: Er will dem angeschlagenen Konzern bis zu seinem für Ende 2018 angekündigten Rückzug zu neuem Glanz verhelfen. (Reuters, 18.10.2015)

  • Schon im Vorjahr machte Ferrari der New Yorker Börse seine Aufwartung.
    foto: reuters/eduardo munoz

    Schon im Vorjahr machte Ferrari der New Yorker Börse seine Aufwartung.

Share if you care.