Das Beste ist (nicht) gut genug

17. Oktober 2015, 19:20
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Pittsburgh und die New York Giants erringen Last Minute-Siege, Atlanta lernt beim Erzrivalen das Verlieren wieder.

Das fünfte und bislang mit Abstand beste Spiel der San Francisco 49ers in der Saison endete erneut mit einer Niederlage. Colin Kaepernick erinnerte dabei jedoch zum ersten Mal seit gefühlten Ewigkeiten an jenen Quarterback, der die 49ers im Frühjahr 2013 in die Super Bowl und ein Jahr danach immerhin noch ins Conference Final führte. Es half nur nicht. Die 49ers sind mit einem 1-4 Record das Schlusslicht der NFC West und Kaepernicks Hinweis darauf, dass immer noch eine 12-4 Saison möglich wäre, könnte direkt aus dem Hause Schoko Schachner stammen. Das Problem an dem Tag war halt, dass auf der anderen Seite Eli Manning im letzten Drive an jenen Manning erinnerte, der zwei Mal die New England Patriots in einer Super Bowl den nur scheinbar zum Abholen bereit stehenden Titel wegschnappte. 41 Completions, 441 Yards Passing und drei Touchdowns. Zwar hinkt das Laufspiel der New Yorker immer noch hinten nach, mit Manning als Verteiler auf Beckham und Randle, verbunden mit dem fangfreudigen Runningback Shane Vereen, der immer mehr zum Receiver umfunktioniert wird, ist die Offense gesamt unter den Top 10 der Liga. Wenn man dann noch einen Tight End wie Larry Donnell hat, kann man so gut wie in jeder Situation ein Big Play aus dem Hut zaubern. Nichts anderes machen die Giants, die seit drei Partien ungeschlagen sind. Detail am Rande: Manning hat nun 102 Spiele mit den NY Giants gewonnen. Mehr als jeder andere Quarterback der Franchise vor ihm.

Der Lohn dafür ist die zwischenzeitliche Tabellenführung in der wie immer hart umkämpften NFC East. Auch weil in Dallas langsam der von mir zuletzt gezeichnete Worst Case konkrete Formen anzunehmen droht. In Texas läuft es genau umgekehrt. Seit drei Runden steht man ohne zählbaren Erfolg da. Konnte man gegen Atlanta und New Orleans noch halbwegs mithalten, geriet New England nie in Gefahr das Spiel in Arlington zu verlieren. Die Bye Week kommt für Dallas eventuell genau zur rechten Zeit. Brandon Weeden wird wieder auf der Bank Platz nehmen und bevor Romo kommt, soll Matt Cassel versuchen den Abstand auf die Giants nicht weiter anwachsen zu lassen. Eine schöne Gelegenheit ergibt sich da für schon in Woche 7, wenn die Cowboys im Met Life Stadium gastieren.

Warum alleine dadurch (Cassel für Weeden) Besserung eintreten soll, lässt sich vielleicht mit der Phrasensau besser als mit Argumenten erklären. Neuer Besen, frischer Wind, schön geputzte Schuhe, vertikal mehr Dampf im Arm usw. usf. Dass es neben den Skill Positions noch andere Probleme in Dallas gibt, das wird nämlich gerne mal verwiegen. Die vor der Saison in allen Prognosen als beste von allen 32 gepriesene O-Line, wird diesen Vorschauen derzeit eben nicht ganz gerecht und die Defense verliert sich spektakulär in der Mittelmäßigkeit. Man konnte Brady mit den beiden Rückkehrer Hardy und McClain unter Druck setzen und dabei fünf Mal sacken, unterm Strich blieben aber eine Completion Rate von 74 Prozent, 275 Yards Passing und drei Touchdowns stehen. Man konnte so wenigsten ordentlich Trash Talken, bevor man von Brady eine Breitseite verpasst bekam. Mit einem Sneak zum Beispiel. Das Spiel in zwei Wochen wird daher vermutlich richtungsweisend sein, denn auch Washington und Philadelphia haben vor, Dallas in der Phase möglichst rasch hinter sich zu lassen.

Braucht wer 18 Sekunden?

Mit der Zeit nimmt man es in der NFL an sich sehr genau. Nicht so beim Monday Night Game in San Diego, als eine fälschlicher Weise durchlaufende Uhr den Offiziellen nicht ins Auge stach und damit das Spiel 18 Sekunden verkürzt wurde. Bei dann auslaufender Uhr nahmen die Steelers Risiko und wurden belohnt. Le'Veon Bell erreichte gerade noch die Endzone bevor sein Knie am Boden war. Alles gut gegangen? Nicht für den Line Judge, der suspendiert wurde. Zwar ist die Stadionuhr offiziell, allerdings ist es sein Job diese zu kontrollieren. Schiedsrichterfehlentscheidungen werden jetzt immer häufiger entscheidender Teil des Spiels, wenn diese nicht reversibel, oder wie in dem Fall, nicht bemerkt werden. Die Häufung basiert hoffentlich auf Zufällen. Und noch einen Verlierer gab es (alles denkt nur an Pittsburgh): Die San Diego Chargers. Wer sagt denn, dass den Steelers, bei denen Michael Vick zumindest in kleinen Dosen einen vierten Frühling erlebte, kein Big Play in der Phase ausgekommen wäre? Vick passte im letzten Drive sieben Mal, vier Mal davon tief. Mit etwas Glück für die Chargers hätten sie nach einem Touchdown noch eine halbe Minute auf der Uhr gehabt. Insofern ist die Suspendierung des Schiedsrichters doppelt gerechtfertigt. Eigentlich ist die gesamte Crew zu hinterfragen, denn der Fehler war zu offensichtlich. Shame on them.

San Diego hat wieder einmal seinen bekannten "Lauf". Mit der drittbesten Offense der Liga (!) auf 2-3 sein, das geht nur wenn man gegen die AFC North-Teams mit fünf (Cincinnati) oder aktuell vier Punkten (Pittsburgh) verliert. Es scheint viel mehr drinnen zu sein. Ein Gefühl welches man bei den Chargers allerdings seit einem halben Jahrhundert hat. Ob der nächste Gegner einen ausgeglichnen Record bringt, das steht vielleicht in alten Büchern. Gegen die Green Bay Packers haben die Kalifornier in der NFL-Geschichte genau ein Spiel gewonnen. Es war der 7. Oktober 1984 als man das Lambeau Field als 34:28-Sieger verlassen durfte. Die halbwegs gute Nachricht: Man traf insgesamt erst zehn Mal aufeinander. Die Partie wird kommenden Sonntag ab 22:25 Uhr live auf Puls 4 zu sehen sein.

Außer Pittsburgh (3-2) geht es in der AFC North vor allem Cincinnati sehr gut. Fünf Spiele, fünf Siege und nun scheinen auch die Nerven zu halten. Gegen Seattle lag man 7:24 nach drei Viertel zurück, es folgte ein famoses Comeback von Andy Dalton, der mit Tyler Eifert einen Tight End der Maße und langsam auch der Marke Gronkowski zur Verfügung hat. Eine Qualität, die Cincinnati nicht immer hatte: Spiele gegen gute Teams zu drehen. In aller Regel brach bei den Bengals in solchen Situation Panik aus. Regelmäßig in der ersten Playoff-Runde, aus der man vier mal in Folge rausflog. Man hat das Gefühl, als ob das heuer nicht unbedingt passieren müsste.

Für Seattle war die Niederlage ein weiterer Beleg dafür, dass es heuer ein ganz weiter Weg in die Playoffs werden wird. Die zwei Siege hat man gegen Teams errungen, die zum jeweiligen Zeitpunkt noch kein einziges Spiel gewonnen hatten. Nachdem Arizona Detroit aus dem Stadion schoss, gegen jenes Seattle in der Vorwoche die Referees brauchte um zu gewinnen, weiß man auch wo der Hammer in der NFC West am Ende hängen wird. Ganz im Süden.

Learning To Lose

Manches in der NFL kommt so unerwartet sicher daher, wie der Schwarzkappler, wenn man ein einziges Mal (sonst eh immer!) keinen Fahrschein bei sich hat.

Fertig ausgebildete Fans der Atlanta Falcons kennen sich ja aus und sagten daher vor und dann auch nach dem Donnerstag-Spiel der Ihren gegen die New Orleans Saints: Wir haben zwar gegen Houston gewonnen, die NFC East-Spiele haben wir aber lediglich knapp überlebt, weil wir den Leading Passer (Matt Ryan), Rusher (Devonta Freeman) und Receiver (Julio Jones) haben, aber trotzdem nur Vierter bin der Kategorie Total Offense sind. Dafür sind wir defensiv wirklich schwach beinander. Wir wissen zwar, dass New Orleans überhaupt keine Defensive besitzt (#32), aber es sind halt die Saints, unsere Nemesis und es ist der Superdome und da können wir halt einfach nicht anders, außer vier unserer sechs Drives in der ersten Halbzeit mit Turnovers zu beenden. Wir haben rechtzeitig wieder gelernt zu verlieren und wissen nun, dass unser Bestes nicht genug ist. Wir sind die Atlanta Falcons.

Atlanta trifft in den kommenden drei Wochen auf Tennessee, Tampa Bay und San Francisco. Man wird eher nicht mit einem 5-4 in die Bye Week gehen, selbst wenn der Atlanta Anhang sich darüber dann wundern wird. Devonta Freeman ist ein Wunder aus dem Nichts und der Traum jedes Fantasy Besitzers. 138 mal berührte der 23-Jährige bisher den Ball. Es kamen über 800 Yards Offense und zehn Touchdown dabei zusammen. Defense fixen und gewinnen!

5-0 für Denvers Defense

Ungeschlagen sein heisst nicht immer sorgenfrei zu sein. In Denver werden erste Stimmen laut, die einen Quarterback fordern, den die meisten nichtmal buchstabieren können. Peyton Manning pfeift aus dem letzten Loch. Die einstige Nummer 1 der Liga hat ein schlechteres Passer Rating als Blake Bortles, Kirk Cousins oder Ryan Fitzpatrick. In Denver glauben einige, dass auch Brock Osweiler besser wäre, der in seiner vierten NFL-Saison noch immer auf den ersten Start wartet. Sechs Touchdowns und sieben Interceptions hat Manning nach fünf Spielen am Konto. 2014 war dieses Verhältnis zu der Zeit bei 15-3, 2013 gar bei 20-1 und in seiner Comeback-Saison bereits bei 11-3.

Mannings Witze über seine Picks wirken immer öfter gekünstelt, denn auch er weiss, das alles was die Broncos derzeit oben hält von der dunklen Seite des Balls kommt. Wenn er ganz in sich geht, an Tagen wie diesen, dann wird ihm manchmal vielleicht dämmern, dass der ehemals Beste am Ende nicht genug sein könnte.

Football im TV

Für die Saison 2015 hat sich Pro7/sat1 ein umfangreiches Rechtepaket von 50 Live-Spielen gesichert. Pro7maxx überträgt jede Woche ein Frühspiel (19:00 Uhr) und im Anschluss ein Abendspiel (22:05 od. 22:25 Uhr). Davon profitiert auch Puls 4, welches 30 Spiele live überträgt. Jeden Sonntag ein 22:25 Uhr Spiel, zwei Nachmittagspartien (15:30 Uhr) aus dem Wembley Stadion, so wie alle Playoffs, sprich vier Wild Card, vier Divisional Playoffs, die beiden Conference Finals und die Super Bowl 50. Alle 30 Partien darf ich zusammen mit Michael Eschlböck kommentieren. Sport1US hat die Rechte für die Nachtspiele am Donnerstag (2:25 Uhr), so wie Sonntag und Montag (jeweils 2:30 Uhr) geholt. Alle Spiele live, den Redzone Channel und condensed games gibt es im NFL Gamepass zu sehen. Das Sportportal Spox hat Online-Rechte für die Nachtspiele am Donnerstag, Sonntag und Montag erworben. (Walter Reiterer, 17.10.2015)

Das NFL TV-Programm der Woche 6:

Buffalo Bllls vs. Cincinnati Bengals
Sonntag 19:00 Uhr – Pro7maxx

Seattle Seahawks vs. Carolina Panthers
Sonntag 122:05 Uhr – Pro7maxx

Green Bay Packers vs. Dan Diego Chargers
Sonntag 22:25 Uhr – Puls 4

Indianapolis Colts vs. New England Patriots
Nacht Sonntag auf Montag 02:30 Uhr – Sport1US/spox.com

Philadelphia Eagles vs. New York Giants
Nacht Montag auf Dienstag 02:30 Uhr – Sport1US/spox.com

Schöne Spiele und vielleicht bis Sonntag.

Ihr Walter Reiterer

  • Die San Diego Chargers haben gegen die Pittsburgh Steelers das Zeitliche gesegnet.
    foto: scott clarke / espn images

    Die San Diego Chargers haben gegen die Pittsburgh Steelers das Zeitliche gesegnet.

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