Zahl der Toten bei Hadsch könnte höher als offiziell verkündet sein

17. Oktober 2015, 10:56
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Laut Zählung der Opferzahlen aus dutzenden Ländern bis zu 2.000 Tote und über 1.000 Vermisste

Riad/Istanbul – Die offizielle Zahl der Todesopfer durch die Massenpanik bei der heurigen Pilgerfahrt Hadsch dürfte vielfach höher sein als offiziell von Saudi-Arabien angegeben. 769 Menschen starben laut saudischen Behörden bei der Katastrophe, 934 weitere seien verletzt worden.

Eine Zählung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ergab allerdings, dass mehr als 1.800 Menschen starben. Für die Zählung hat die dpa die offizielle und in Medien veröffentlichte Opferzahlen aus 28 Ländern zusammengefasst, die bei dem Unglück Tote zu beklagen hatten. Die meisten Opfer meldete laut dpa der schiitische Iran mit 465 Toten. Besonders viele Tote gab es auch in Ägypten (181), Mali (173), Nigeria (165), Indonesien (127), Indien (114), Pakistan (99) und Bangladesch (79).

Eine ähnliche Aufstellung des offenen Wikipedia-Projekts, basierend auf Medienberichten aus 43 Heimatländern der Toten, geht sogar von 2.045 Toten aus. Selbst diese Zahl könnte noch deutlich höher sein, denn neben 109 Verletzten wird in dieser Liste von weiteren 1.103 Vermissten ausgegangen.

Dokument berichtete von über 4.000 Toten

In einem Ende September auf der Website des saudischen Gesundheitsministeriums veröffentlichten und inzwischen wieder gelöschten Dokument, hieß es laut unbestätigten Medienberichten sogar, dass die Behörden in Riad ein Album mit über 4.173 Fotos von toten Pilgern zusammengestellt hatten.

Am dritten Tag der diesjährigen Wallfahrt war in dem Ort Mina östlich von Mekka bei einem Hadsch-Ritual eine Massenpanik ausgebrochen. Die Ursache des Unglücks ist bisher unklar. Saudi-Arabien setzte eine Untersuchungskommission ein, die die Hintergründe ermitteln soll. Die diesjährige Massenpanik ist die bisher schlimmste Katastrophe während des Hadsch. Im Juli 1990 waren bei einem tödlichen Gedränge während der jährlichen Wallfahrt mehr als 1.400 Pilger erstickt oder zu Tode getrampelt worden. (APA/dpa, red, 17.10.2015)

  • Ayatollah Ahmad Jannati, ein hoher iranischer Geistlicher, vor Särgen verstorbener Pilger.
    foto: ap photo/vahid salemi

    Ayatollah Ahmad Jannati, ein hoher iranischer Geistlicher, vor Särgen verstorbener Pilger.

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