Nase und Ohren zu, Augen auf!

16. Oktober 2015, 17:16
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Die Messe taumelt dem Friedenspreis entgegen, der an Navid Kermani geht

Es ist wieder wärmer geworden. So entschließt man sich, umwölkt von Desinfektionsmittelgeruch den Eingeweiden des Frankfurter Bahnhofes entstiegen, wo man "Wildpinklern" mithilfe modernster Technik den Kampf ansagt, zum fünfminütigen Spaziergang zum Messegelände.

Dort wartet schon der indonesische Kollege. Ihm ist immer noch kalt, nicht nur, weil es an den paar Tischen zieht, die man unter der Devise "Pressezentrum neu" in die Gänge des Congresszentrums gestellt hat. Auch die deutsche Sprache, das gibt der Kollege aber nur durch die Blume und in melodischem Englisch zu verstehen, klingt für ihn ungefähr so erwärmend wie ein eingefrorener Wasserfall. Nase und Ohren zu lautet also das Motto für diesen Tag an der Messe, die mit der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels ihrem Höhepunkt am kommenden Sonntag entgegentaumelt.

Heuer geht die Auszeichnung, die seit 1950 jährlich an eine Persönlichkeit vergeben wird, "die in hervorragendem Maße (...) durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat", an Navid Kermani.

Dieser hat sich, was den Friedensgedanken betrifft, als Schriftsteller, Orientalist und Reporter gleich auf allen drei "Gebieten" hervorgetan. Seit langem gehört er zu jenen, die sich nicht nur geopolitisch, sondern auch persönlich und als Bürger mit der Gegenwart auseinandersetzen. Und zwar stets mit offenem Blick und Visier. (Stefan Gmünder, 16.10.2015)

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