Armutsbedrohung betraf auch 2014 ein Viertel der EU-Bürger

16. Oktober 2015, 13:30
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122 Millionen Personen somit weiterhin auch vor sozialer Ausgrenzung bedroht – Österreich mit 19,2 Prozent unter EU-Schnitt – Über 40 Prozent in Rumänien und Bulgarien

Brüssel/Wien – Die Bedrohung vor Armut oder sozialer Ausgrenzung ist in der EU weiterhin für fast ein Viertel der Bevölkerung Realität. Die von Eurostat am Freitag publizierten Zahlen zeigen, dass mit 24,4 Prozent der Wert im Jahr 2014 nahezu unverändert geblieben ist. Damit lagen die Zahlen über dem Wert von 2008 mit 23,8 Prozent. Österreich lag mit 19,2 Prozent unter dem EU-Schnitt.

Insgesamt sind 122 Millionen Bürger in der EU von diesem Szenario betroffen. Das bedeutet, dass sie sich in mindestens einer der folgenden drei Situationen befinden: Sie sind nach Zahlung von Sozialleistungen von Armut bedroht, sie leiden unter großem materiellen Mangel oder leben in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbstätigkeit. Die Zahl der Betroffenen war seit 2008 drei Jahre in Folge gestiegen war und hat sich erst im Jahr 2013 ganz geringfügig verringert.

Die Zahlen in Österreich zeigen im Jahresvergleich eine leicht steigende Tendenz, denn 2013 lag der Anteil bei 18,8 Prozent, womit der Anstieg 0,4 Prozentpunkte beträgt. Im Jahr 2014 war in drei EU-Staaten mehr als ein Drittel der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht: Es sind dies Rumänien (40,2), Bulgarien (40,1) und Griechenland (36,0). Die niedrigsten Anteile gibt es hingegen in Tschechien (14,8), Schweden (16,9) und den Niederlanden (17,1).

Leichter Rückgang in Österreich

Ermittelt wurden von Eurostat auch die Staaten mit den größten Anstiegen im Zeitraum von 2008 und 2014 – hier liegt erwartungsgemäß Griechenland vorne. Bei den Rückgängen liegt Polen an erster Stelle. In Griechenland betrug der Anteil im Jahr 2008 noch 28,1 Prozent, womit der Anstieg 7,9 Prozentpunkte ausmacht, es folgen Spanien (+4,7) und Zypern (+4,1). Im Gegensatz dazu wurden die stärksten Rückgänge in Polen (-5,8), Rumänien (-4,0) und der Slowakei (-2,2) registriert. In dieser Betrachtung gehört Österreich mit einem Rückgang gegenüber 2008 von 1,4 Prozentpunkten ebenfalls zu den Staaten mit sinkender Armutsbedrohung.

Bei näherer Betrachtung der drei Komponenten, die Armutsbedrohung und soziale Ausgrenzung bewirken, zeigt sich, dass 17,2 Prozent der EU-Bevölkerung 2014 nach Zahlung von Sozialleistungen armutsgefährdet war, also dass ihr verfügbares Einkommen unter der jeweiligen nationalen Armutsgefährdungsschwelle lag. Österreichs Anteil betrug in dieser Kategorie 14,1 Prozent.

8,9 Prozent der EU-Bevölkerung und 4,0 Prozent der österreichischen Bevölkerung litten 2014 unter erheblicher materieller Deprivation, konnten also ihre Rechnungen nicht bezahlen, oder ihre Wohnung nicht angemessen beheizen. Mit Hinblick auf den dritten Indikator, der niedrigen Erwerbstätigkeit, lebten im Vorjahr 11,1 Prozent (Österreich: 9,1) der Bevölkerung unter 60 Jahren in der EU in Haushalten, in denen die Erwachsenen im vorhergehenden Jahr insgesamt weniger als 20 Prozent ihres Erwerbspotenzials ausgeschöpft hatten. (APA, 16.10.2015)

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