Nestlé schraubt Wachstumsprognose für 2015 zurück

16. Oktober 2015, 09:45
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Umsatz soll heuer um 4,5 statt fünf Prozent steigen, Maggi-Nudelskandal in Indien belastet Ergebnis

Vevey – Der Verkaufsstopp für Maggi-Fertignudeln nach einem Lebensmittelskandal in Indien und ein negativer Einmaleffekt in den USA haben den Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé im Sommer gebremst. Der Weltmarktführer senkte daher am Freitag seine Wachstumsprognose für das Gesamtjahr; er geht nun von einem organischen Umsatzplus von rund 4,5 Prozent statt bisher rund fünf Prozent aus.

In den ersten neun Monaten schrumpfte der Umsatz von 66,22 Milliarden Franken im Vorjahreszeitraum auf 64,86 Milliarden Franken (59,7 Milliarden Euro). Das organische Wachstum ging in den ersten drei Quartalen auf 4,2 von 4,5 Prozent zurück. Damit schnitt der Hersteller von Nespresso-Kaffee und Kitkat-Schokoriegeln deutlich schlechter ab als von Analysten erwartet. Vorbörslich verlor die Nestlé-Aktie knapp drei Prozent.

Fertignudeln belasten

"Nach einer gute Leistung in der ersten Hälfte des Jahres wurden wir im dritten Quartal von außergewöhnlichen Ereignissen beeinflusst und in unserer Leistung deutlich beeinträchtigt", sagte Firmenchef Paul Bulcke. In Indien musste Nestlé im Juni seine Maggi-Fertignudeln aus dem Verkauf nehmen, nachdem Lebensmittelkontrolleure in einigen Paketen bedenklich hohe Bleikonzentrationen gefunden hatten. Allein im ersten Halbjahr kostete der Rückruf den Konzern 66 Millionen Franken. Hinzu kommen Umsatzeinbußen durch den Verkaufsstopp.

Bisher sind die Nudeln nicht wieder in den Regalen zurück – doch Nestlé arbeite mit den Behörden daran, das Produkt wieder in den Verkauf zu bekommen, erklärte das Unternehmen. Der Konzern hatte stets betont, die Nudeln seien sicher und enthielten nichts Schädliches. Zudem machte Nestlé verhaltenes Wachstum im wichtigen chinesischen Markt zu schaffen.

Kräftiges Eisgeschäft im Sommer

In den USA verbuchte der Konzern einen negativen Einmaleffekt im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln bei Nestlé Skin Health. Dort gewährte das Unternehmen seinen Kunden höhere Rabatte als geplant und musste dafür Geld auf die Seite legen. Zur Höhe des Einmaleffekts machte die Firma keine Angaben. Profitieren konnte Nestlé hingegen von einer Erholung des US-Tiefkühlkostgeschäfts und einer stärkeren Nachfrage nach Speiseeis im heißen europäischen Sommer.

Die Konkurrentin Unilever mit Marken wie Knorr, Lipton und Dove hatte im dritten Quartal dank eines boomenden Eisgeschäfts ihre Erlöse deutlich gesteigert. Der französische Lebensmittelkonzern Danone will seine Eckdaten am Montag veröffentlichen. (APA, Reuters, 16.10.2015)

  • Symbolbild: Instantnudel.
    foto: reuters/denis balibouse

    Symbolbild: Instantnudel.

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