Primetals in Linz streicht bis zu 200 Stellen

16. Oktober 2015, 11:50
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"OÖ Nachrichten": Allein am Standort Linz müssen 20 Mio. Euro eingespart werden – Standortchef Röhrl: "Auftragseingang deutlich unter Erwartungen"

Linz/London/Tokio – Mit der Ankündigung, dass am Linzer Standort des Anlagenbauers Primetals bis zu 200 der 1.600 Mitarbeiter gehen müssen, hat das Unternehmen die dritte Kündigungswelle innerhalb von wenigen Jahren vor sich. Der Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft GPA-djp OÖ, Andreas Stangl, berichtete der APA, dass man derzeit im Gespräch mit der Unternehmensleitung sei.

"Wir prüfen gerade die Sachlage und werden dann sehen, wie wir weitertun. Es ist ja nicht das erste Mal, dass dort Personal abgebaut wird", erklärte Stangl. Schon 2013 mussten 200 Mitarbeiter gehen. Ursprünglich wären sogar 490 betroffen gewesen. Im Vorjahr wurde der Beschäftigtenstand noch um weitere 290 verringert, ehe am heurigen 7. Jänner das Joint Venture zwischen Mitsubishi Heavy Industries (MHI) und Siemens in Kraft trat.

Der einstige Voest-Alpine Industrieanlagenbau (VAI) war das Kerngeschäft der VA Tech, die 2005 an Siemens verkauft wurde. Im Mai 2014 wurde entschieden, dass das Unternehmen in ein Joint Venture eingebracht wird, an dem MHI 51 Prozent und Siemens 49 Prozent halten. Es bekam den Namen "PriMetals Technologies", der neue Hauptsitz wurde London.

Gespräche laufen

Die Gewerkschaft und ein "gutes Betriebsratsteam" seien derzeit mit dem Unternehmen im Gespräch, schilderte Stangl. Hoffnung, dass es ein schnelles Ergebnis geben werde, wollte er nicht machen: "Das ist ein längerer Prozess." "Wir gehen mit einem Bündel von Maßnahmen hinein. Personalabbau ist dabei die letzte." Es sei ja nicht nur Linz betroffen, sondern der ganze Konzern mit rund 9.000 Mitarbeitern.

Der Linzer Standortchef Heiner Röhrl hatte gegenüber den "Oberösterreichischen Nachrichten" als Grund für den Personalabbau genannt, dass es zwar grundsätzlich großes Interesse vieler Kunden gebe. Aber die meisten würden sich mit ihren tatsächlichen Investitionsentscheidungen zurückhalten. "Der Auftragseingang liegt deutlich unter unseren Erwartungen", wird Röhrl zitiert.

Weniger betroffene Mitarbeiter

Deshalb wolle er gemeinsam mit dem Betriebsrat die Zahl der betroffenen Mitarbeiter verringern. Eine Möglichkeit wäre die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Wenn diese über ein Jahr durchgerechnet werde, könnte verhindert werden, dass Beschäftigte jetzt gekündigt werden, weil Aufträge fehlen, diese dann aber beim Anziehen der Auftragslage aber fehlen würden. Bis Ende des Geschäftsjahres – Ende März 2016 – sollte feststehen, wie vorgegangen wird. "Wir werden ihn fragen, was er damit meint", kündigte Stangl an. Denn die Mitarbeiter, die ja in Projektgeschäften tätig seien, würden schon jetzt "flexibel bis zum Anschlag" sein.

Der Konzern soll nicht nur sparen, sondern auch eine neue Struktur erhalten. Die Zahl der Segmente soll von zehn auf sieben reduziert werden. Drei davon sind in Linz angesiedelt: Eisen- und Stahlerzeugung, die Innovation "Strangguss und Walzen in einem Prozess" sowie der Servicebereich. Damit sei Linz außer Frage. "Im Gegenteil: Linz bleibt der wichtigste Standort und das Innovationszentrum des Unternehmens", sagte Röhrl den OÖN. Die Folge der neuen Struktur: Es werde weniger Chefs und dafür mehr Leute im Vertrieb geben. (APA, 16.10.2015)

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