Limes: Spuren der römischen Außengrenze entlang der Donau

17. Oktober 2015, 17:55
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Ein neues Buch führt durch Legionslager, Kastelle und Turmanlagen entlang des österreichischen Limes-Abschnittes

Wien – Mauerreste und Gebäudeteile erinnern noch heute daran, wo einst die Römer ihre Außengrenze entlang der Donau schützten. Wer sich auf die Spuren der Legionen begeben will, den begleitet eine Neuerscheinung im ÖAW-Verlag von Passau (Boiotro) bis Rusovce (Gerulata). Sie listet alle imperialen Vermächtnisse und liefert Kontext zum römischen Leben.

Mehr als 400 Jahre lang bildete die Donau eine Außengrenze des Imperium Romanum – und war damit Teil des Limes, des römischen Grenzwalls. Unter Kaiser Augustus (27 vor bis 14 nach unserer Zeitrechnung) besetzten die Römer dieses Gebiet zum ersten Mal. Insgesamt umfasst der heute in Österreich liegende Grenzabschnitt eine rund 350 Kilometer lange Strecke entlang der Donau zwischen Passau und Bratislava. Der nun präsentierte archäologische Führer widmet sich sowohl den vier Legionslagern in Enns, Albing, Wien und Carnuntum als auch den 16 Kastellen und zahlreichen Turmanlagen, die zur Grenzüberwachung am Fluss erreichtet wurden.

Ziviles und militärisches Leben am Fluß

Entlang des Limes wuchsen aber nicht nur militärische Stützpunkte, sondern auch zivile Siedlungen und Verwaltungszentren. Oft waren diese dann Ausgangspunkt moderner Ortschaften und Siedlungen, "sodass noch heute in vielen Orten an der Donau das Stadtbild von Resten römischer Gebäude bestimmt wird", wie es in der Einführung heißt. Als Beispiele dafür werden etwa das Wienertor in Traismauer oder die Türme der römischen Kastelle in Tulln genannt. Auch Verkehrsstrukturen erinnern noch heute an die römischen Besiedler. Einträge gibt es jedenfalls zu allen Orten mit Überresten bzw. Hinweisen auf römisches Leben.

Kurze Kapitel – teils mit Grundrissen und Fotos ausgestattet – halten Eckdaten dieser Denkmäler sowie Literaturhinweise in geografischer Reihenfolge fest. Einführungstexte beschäftigen sich zusätzlich etwa mit dem zivilen Leben am Limes, dem Militär oder Göttern, Kulten und Heiligtümern entlang der Donau.

UNESCO-Antrag

Im Laufe der Jahrhunderte verloren die römischen Legionen in der Grenzregion allerdings wieder an Einfluss, teils wurden Germanen als "Föderaten" eingesetzt, die den Grenzschutz übernehmen sollten. Ende des fünften Jahrhunderts ordnete Odoaker, König von Italien, schließlich endgültig den Rückzug an. Die Donaugrenze in Pannonien (Westungarn) wurde schon früher aufgegeben.

Inzwischen erfreut sich der Grenzwall jedoch wieder regen Interesses. Einerseits als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung, andererseits soll der Limes in Österreich zum Welterbe der UNESCO werden. Der Antrag wurde vom Kulturministerium bereits eingereicht – nun steht der österreichische Limes ebenso wie Abschnitte in Deutschland und Ungarn auf der sogenannten "Tentative List" der Organisation.

Die Anträge werden überprüft, dann entscheidet das Welterbekomitee, ob die Stätte in die Liste des Welterbes aufgenommen wird. Drei Abschnitte des Limes sind bereits Weltkulturerbe: Der Hadrianswall in Großbritannien (1987), der obergermanisch-rätische Limes in Deutschland (2005) sowie der Antoninuswall in Schottland (2008). (APA, red, 17.10.2015)

  • Gassner Verena, Pülz Andreas (Hg.): "Der römische Limes in Österreich. Führer zu den archäologischen Denkmälern", Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 332 Seiten, 24,90 Euro.
    foto: öaw

    Gassner Verena, Pülz Andreas (Hg.): "Der römische Limes in Österreich. Führer zu den archäologischen Denkmälern", Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 332 Seiten, 24,90 Euro.

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