Streit zwischen Grazer Stadtpfarrpropst und FPÖ

15. Oktober 2015, 16:16
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Nach Kritik des Geistlichen am FPÖ-Stadtblatt, das "Hass und Spaltung" säe, reagiert der blaue Stadtrat Eustacchio mit einem offenen Brief

Graz – Asyl, Islam und auch Anglizismen: Die Themen, mit denen sich die FPÖ-Stadtzeitung "Der Uhrturm" im Wesentlichen auseinandersetzt, sind überschaubar. Auch in der aktuellen Oktober-Ausgabe. Die Art, wie sie es tut, sorgt nicht zum ersten Mal für scharfe Kritik. Diesmal auch vom Propst der Grazer Stadtpfarrkirche, Christian Leibnitz, der eine nichtöffentliche E-Mail an Verantwortungsträger der FPÖ, darunter Stadtrat Mario Eustacchio, richtete. Leibnitz schrieb, er bedaure es "zutiefst, dass Sie damit nur Hass, Streit, Spaltung und Unfrieden säen und in keiner Weise dem Auftrag einer politischen Partei nachkommen, dem Wohl der Menschen zu dienen".

Leibnitz reagierte auf einen Artikel, in dem die FPÖ einmal mehr ausrückte, um die rechtsextremen Aktivisten der Identitären zu verteidigen und einen Pfarrer in der Südsteiermark zu attackieren. Dieser hatte – wie berichtet – eine "islamkritische" Kundgebung der Identitären durch Glockengeläut übertönt. Leibnitz betont in seiner Mail: "Wir stehen ein für die Menschenrechte, die Achtung der Würde jedes Menschen, Religionsfreiheit und ein friedliches Miteinander in gegenseitiger Hilfsbereitschaft allen Menschen gegenüber."

Blaue Antwort mit Verweis auf "Hitlers Geschenk"

Die FPÖ antwortete ihm mit einem offenen Brief von Eustacchio und Gemeinderatsklubchef Armin Sippel. Darin erinnert man Leibnitz unter anderem an das "Danaergeschenk des Adolf Hitler – nämlich die Einführung der Kirchensteuer" und wirft dem Stadtpfarrpropst vor, seine Meinung unter "missbräuchlichem Hinweis auf Ihr kirchliches Amt" geäußert zu haben. Dabei habe der Platz Leibnitz' "an der Seite Ihrer Schäfchen in der Kirche zu sein". Die katholische Kirche Steiermark führt seit dem Amtsantritt von Bischof Wilhelm Krautwaschl politische Gespräche mit allen Landtagsparteien. Ende November auch mit der FPÖ. (cms, 15.10.2015)

  • Der offene Brief von Mario Eustacchio und Armin Sippel.

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