Kampf der Oligarchen um Ungarns zweitgrößten TV-Sender

15. Oktober 2015, 21:52
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Berichte über Verkauf an Orbán-Vertrauten Vajna

Budapest – Als den "Kampf der Oligarchen" betiteln ungarische Medien am Donnerstagabend den Kauf der ungarischen TV2-Group. Nachdem es am Donnerstagvormittag noch hieß, Andrew Vajna, enger Vertrauter des rechtskonservativen ungarischen Premiers Viktor Orbán, habe den zweitgrößten ungarischen Privatsender gekauft, wurde dies Stunden später aus dem Kreis des Ex-Vertrauen von Orbán dementiert.

Laut dem Portal Nol.hu. habe Karoly Fonyo, ein enger Vertrauter von Bau- und Medienunternehmer Lajos Simicska, in einer Aussendung erklärt, seine Firma, die Megapolis Media Zrt., hätte den 100-prozentigen Geschäftsanteil der TV2 Media Group Holdings GmbH bereits am 13. Oktober erworben und sei damit indirekt Eigentümer des Mediendienstleisters geworden. Zugleich hätte die Megapolis Media Zrt. am Donnerstag mit sofortiger Wirkung zwei Geschäftsführer der TV2-Group entlassen, da sie den Vertrag über den Verkauf des Kommerzsenders TV2 ohne Zustimmung des Eigentümers unterzeichnet hätten.

Andrew Vajna hätte sich verrechnet, schreiben die Medien. Vajna hätte wissen müssen, dass die Megapolis Media Zrt. des Simicska-Vertrauten Fonyo über einen Optionsvertrag hinsichtlich des Kaufes des den Sender betreibenden Unternehmens verfügte. Nun hätte Fonyo von seinem Kaufrecht Gebrauch gemacht, der zugleich jedoch mit einem langen Rechtsstreit rechne.

Mit dem Kauf der TV2-Group durch das Vajna-Unternehmen Magyar Broadcasting Co. GmbH wäre TV2 unter Kontrolle von Orbán geraten, der Vajna 2011 zum Regierungsbeauftragten für die Filmindustrie machte. Simicska hingegen, einer der reichsten Männer Ungarns, hatte Orbán im Frühjahr den "totalen Krieg" erklärt. Orbán hatte mehrfach öffentlich betont, der Einfluss seines bisherigen Freundes sei zu groß geworden und entfernte 2014 zahlreiche Vertraute Simicskas von Regierungsposten. Wenn die Ankündigung der Megapolis Media Zrt. über den Kauf der TV2-Group den Tatsachen entspräche, würde im "Privatkrieg" zwischen Simicska und Orbán ein neues Kapitel eröffnet, schreibt das Portal Nol.hu. (APA, 15.10.2015)

  • Andrew Vajna, der nun den ungarischen Sender TV2 kaufte, produzierte unter anderem den Hollywood-Film Rambo (Bild).

    Andrew Vajna, der nun den ungarischen Sender TV2 kaufte, produzierte unter anderem den Hollywood-Film Rambo (Bild).

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