Was es kostet, wenn Chefinnen fehlen

17. Oktober 2015, 08:00
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Weil Frauen in den Führungsetagen fehlen, entgehen Unternehmen Milliarden und Volkswirtschaften Wachstum, rechnet eine aktuelle Studie vor

Eine Reihe von Unternehmen strengt sich an, ihre männlich dominierten Führungsboards aus betriebswirtschaftlichen Gründen etwas geschlechtergerechter zu gestalten – etwa durch Selbstverpflichtung zur Quote wie die Deutsche Telekom.

Die Fragen nach dem Wie, nach den Maßnahmen und möglichst hoher Wirksamkeit beschäftigt eine Reihe von Beratern. Ein großer, Grant Thornton Unitreu, legt mit einer aktuellen Studie gewagt und dramatisch nach: Das Fehlen weiblicher Geschäftsführer bedeute allein für die USA, Großbritannien und Indien entgangene Milliarden: Grant Thornton geht für das Jahr 2014 von entgangenen Gewinnen im Sinne von Opportunitätskosten (entgangenen Erlösen) von bis zu 655 Milliarden Dollar (basierend auf dem Return on Assets) nur für den Bereich der Börsenindizes S&P 500, CNX 200 (Indien) und FTSE 350 aus.

Drei Prozent des BIP

Den jeweiligen Volkswirtschaften entgehe damit jährlich ein geschätztes zusätzliches Wirtschaftswachstum von bis zu drei Prozentpunkten der Bruttoinlandsprodukte, so dieser International Business Report.

Grundsätzlich hat sich laut Grant Thornton der Frauenanteil in leitenden Positionen in den letzten Jahren kaum verändert. Mit einem Frauenanteil von acht Prozent bildet Japan im Gesamtranking das Schlusslicht, vor Deutschland mit 14 und Indien mit 15 Prozent.

In der EU sind aktuell 25 Prozent der Topjobs von Frauen besetzt, während es 2004 noch lediglich 17 Prozent waren. Eine immer wieder thematisierte Quotenregelung wurde bisher noch nicht als EU-Recht etabliert. Auffällig sei, dass Länder mit eigenen, nationalen Quoten vergleichsweise die größten Fortschritte bei mehr Frauen in Führung aufweisen.

Schuld sind Rollenmuster

Mehr als 50 Prozent der weiblichen Manager sind im Gesundheitsbereich tätig, gefolgt von Tourismus (33) und der Nahrungsmittelindustrie (27). In Industrie, Bau- und Transportwirtschaft oder Immobilien bleiben die Männer nach wie vor unter sich – außer in Osteuropa.

Auch diese Studie sieht als Ursache, dass tradierte Rollenmuster nach wie vor stark verankert sind. Auch würden sich Frauen schneller mit Support-Positionen zufriedengeben und ihre Netzwerke zu wenig nutzen. "Wir spielen nach den Regeln eines jahrhundertealten Spiels von älteren Herren mit Hüten, bei welchem Frauen mit Ideen und Talenten leider nicht wirklich zugelassen werden", sagt Grant-Thornton-Partnerin Andrea Draskovits. (Karin Bauer, 17.10.2015)

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