Römisches Marschlager bei Hannover entdeckt

15. Oktober 2015, 14:07
45 Postings

2000 Jahre alte Anlage soll einst mehr als 20.000 Mann beherbergt haben

Hannover – Archäologen haben ein großes römisches Marschlager bei Hemmingen im Süden Hannovers entdeckt. "Es gehört zu den größten rechts des Rheins, mindestens 20.000 Mann hatten dort Platz", sagte Archäologe Salvatore Ortisi von der Universität Osnabrück am Donnerstag.

Ortisi und Kollegen bezeichneten den Fund der etwa 2000 Jahre alten Anlage mit einer Fläche von etwa 30 Hektar als wissenschaftliche Sensation, denn es sei das erste Marschlager, das in der norddeutschen Tiefebene entdeckt wurde – wenngleich die Existenz solcher Lager schon lange angenommen wurde.

Zunächst entdeckten die Archäologen Nägel römischer Militärsandalen und Münzen aus Kupfer, Silber und Bronze, die als römisches "Soldatengeld" verwendet wurden. Auch Überreste von Gewandnadeln sowie eine offenbar zur Körperpflege bestimmte Pinzette kamen zum Vorschein.

Testgrabungen bestätigten schließlich die typische Bauweise römischer Wehrgräben. Das Lager stammt den Angaben der Forscher zufolge aus der sogenannten "Okkupationszeit" zwischen den Jahren 12 v. u. Z. und 9 n. u. Z. Demnach wurde es angelegt, als die Römer versuchten, ihre Präsenz in Germanien zu festigen. Drusus, der Stiefsohn des Kaisers Augustus, sei damals mit seinen Truppen bis an die Elbe vorgedrungen.

In der Varusschlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 endete dieser Vorstoß mit einer vernichtenden Niederlage gegen ein germanisches Heer unter Führung des Arminius ("Hermann"), eines Fürsten der Cherusker. (APA, 15.10.2015)

Share if you care.