Forscher entdecken neue Blutkrebs-Genmutationen

15. Oktober 2015, 13:12
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In einer Studie wurden Genveränderungen bei chronischer Leukämie untersucht und neue Mutationen in meist altbekannten Signal- und Stoffwechselwegen entdeckt

Wien – Forscher haben neue Genmutationen identifiziert, die bei der Entstehung von Blutkrebs maßgeblich beteiligt sind. Diese gehören meist zu einschlägig bekannten Signal- und Stoffwechselwegen, so die Wissenschaftler. Die Mediziner fanden zudem heraus, dass sich die Krebszellen bei einem Rückfall massiv weiterentwickelt haben.

Die Forscher um Catherine Wu vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston (USA) haben dafür die Gensequenzen von über 500 Blutkrebs-Proben (chronische lymphatische Leukämie – CLL) mit den dazugehörigen "Normalsequenzen" verglichen – und zwar vor oder nach einer standardmäßigen Kombinationstherapie mit drei Wirkstoffen. CLL ist die häufigste Blutkrebsform in der westlichen Welt, bei der sich weiße Blutkörperchen (B-Zellen) unkontrolliert vermehren.

Leukämiezellen entwickeln sich weiter

Dabei fanden sie 44 Genveränderungen, die "Hauptakteure" bei der Entstehung von CLL sind. 18 davon waren zuvor noch nicht als solche erkannt worden. Zusätzlichen identifizierten sie 26 Gene mit "Nebenrollen". Bei einer aggressiven CLL-Form waren in der Regel mehr Hauptakteure verändert, als bei einer langsam fortschreitenden, so die Forscher, zu denen auch der österreichische Biomathematiker Martin Nowak von der Harvard Universität und Johannes Reiter vom Institut of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg zählen.

Viele dieser maßgeblich krebsfördernden Gene seien an Stoffwechsel- und Signalwegen beteiligt, deren tragende Rollen in der Krebsentstehung bereits bekannt sind (MYC, MAPK-ERK, RNA Reifung, DNA Reparatur, B-Zell Entwicklung und Aktivierung). Andere solche Gene waren zwar nicht verändert, aber vermehrt worden, betonen die Forscher.

Kam es nach der Therapie zu einem Wiederauftreten der Krankheit (Rezidiv), hat sich das Verhältnis der Zellen mit unterschiedlichen Mutationen in fast allen Fällen (57 von 59) verschoben, berichten die Wissenschaftler. Die Leukämiezellen würden sich somit in der Regel "weiterentwickeln". In einem Drittel der Fälle sei es jedoch vorhersehbar, welche Zellen nach einem Rückfall vorherrschen, was man in der Therapie berücksichtigen könnte. (APA, 15.10.2015)

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