Schröcksnadel will Aus für Olympia-Abfahrt verhindern

15. Oktober 2015, 12:30
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Modus soll attraktiver, Rennen in zwei Durchgängen möglich werden

Wien – ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sieht die Gefahr, dass die alpine Skiabfahrt aus dem Olympiaprogramm gestrichen wird, und sieht Handlungsbedarf. Bei der nächsten Tagung des Vorstands des Internationalen Skiverbands (FIS) im November will er einen Vorschlag einbringen, wie man die Speeddisziplin für die Fernsehzuschauer wieder interessanter machen kann.

Werden Abfahrt und Super-G gestrichen?

Aus Kostengründen stünden diverse Bewerbe – aus dem Alpinbereich die Abfahrt und der Super-G – bei den Winterspielen zur Disposition, hatte FIS-Präsident Gian-Franco Kasper am Dienstag erklärt. Für Schröcksnadel kommt das nicht überraschend. "Wir diskutieren im FIS-Vorstand seit längerem. Die Athleten wollen es nicht glauben, dass das ein Problem ist. Das Interesse am Abfahrtssport hat nachgelassen", sagte Schröcksnadel Mittwochabend bei einem Medientermin in Wien.

Bei Olympia hätten bei einem Slalom 40 Nationen Interesse, die Fernsehrechte zu kaufen, bei einer Abfahrt aber nur acht bis zehn. Rückläufige Einschaltquoten seien festzustellen. Ein weiteres Problem kommt 2022 mit den Winterspielen in Peking. "In China ist die verlangte Höhendifferenz nicht gegeben, das ist eine blöde Geschichte", so Schröcksnadel. 2018 in Pyeongchang in Südkorea ist die Abfahrt noch fix im Programm. "Ob sie danach bei Olympia gestrichen wird, kann ich nicht einschätzen", sagt Schröcksnadel. "Aber die Gefahr ist sicher da."

Attraktivität erhöhen, Gefahr spüren

Man müsse bei Attraktivität, Startreihenfolge und Modus ansetzen, sagt Schröcksnadel. Im vergangenen Winter seien die Abfahrten wieder spektakulärer geworden, dafür habe Renndirektor Hannes Trinkl gesorgt. "Man muss schon noch sehen, warum einer schneller ist. Die Pisten sollen unruhiger sein, damit wird es auch sicherer, weil die Leute mehr aufpassen, wenn sie die Gefahr spüren. So wird das auch für das Publikum attraktiver. Aber die Startregel hat uns nicht geholfen. Wenn man weiß, dass ab 16 die Guten starten, schaltet man bei erst bei zwölf ein und bei 25 wieder ab."

Sein Vorschlag wäre gewesen, die Startreihenfolge der Top 30 auszulosen. Das habe aber den Nachteil, dass es ungerecht werden könnte, weil zwei Läufer, die um den Weltcup streiten, die Nummern eins und 30 erwischen könnten. "Die Idee ist nun, im letzten Training eine Quali zu fahren", so Schröcksnadel. Die Top Sieben der Weltrangliste sollten dann gemäß dem Trainingsergebnis die Startnummer wählen dürfen, alle übrigen werden ausgelost. Schröcksnadel will so die Skifans für einen längeren Zeitraum an den TV-Schirm binden. In Gröden beispielsweise haben hohe Nummern oft einen Vorteil, die Besten könnten dann auch erst die Nummer 45 wählen.

Sprintabfahrten als Alternative

Positive Gespräche mit den Vertretern der Athletenkommission, Hannes Reichelt und Michael Janyk, habe es bereits gegeben, vom Alpinkomitee sei aber nichts gekommen. Bei der FIS-Vorstandstagung im November erhofft sich Schröcksnadel nun eine Entscheidung. "Vielleicht sagt man, dass man es noch diese Saison bei drei Rennen probiert. Aber es muss zumindest für die nächste Saison das Ziel sein."

Nicht nur wegen der kurzen Strecke in Peking müsse man aber auch einen alternativen Modus schaffen. Der Vorschlag von Sprintabfahrten in zwei Durchgängen kam laut Schröcksnadel ebenfalls von Trinkl. "Die Klassiker müssen wir fahren, wie wir sie immer gefahren sind. Aber man muss auch eine andere Möglichkeit schaffen." Auch in Kitzbühel könne man, wenn die Verhältnisse kein Rennen von ganz oben zulassen, zwei Durchgänge von weiter unten bestreiten.

Keine Fortschritte gibt es bezüglich permanenter Speed-Trainingsstrecken in Österreich. Da sei man weiterhin darauf angewiesen, ins Ausland zu gehen, so Schröcksnadel. (APA, 15.10.2015)

  • In Sorge: Peter Schröcksnadel.
    foto: apa/gindl

    In Sorge: Peter Schröcksnadel.

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