Smart Meter-Einführung: Opt-out sorgt bei Stromkunden für Verwirrung

31. Oktober 2015, 09:40
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Verbraucherschützer sehen Informationsdefizit, Regelung für Quotenüberschreitung fehlt

Bis 2019 sollen in Österreich 95 Prozent aller Stromzähler zu sogenannten Smart Metern umgerüstet sein. Ihre elektronisch aufgewerteten Pendants bergen Potenzial zur Energieersparnis und erleichtern den Stromanbietern die Planung, argumentieren Befürworter dieses Schrittes. Gegner halten dem vor allem Sorgen und um Sicherheit und Datenschutz entgegen.

FPÖ will Ausnahme für Wenigverbraucher

Nun hat das Thema einmal mehr das Parlament beschäftigt. Grund ist ein Entschließungsantrag der FPÖ (PDF), die durch die Einführung eine finanzielle Belastung für die Stromkunden ohne echtem Gegenwert wittert. Diese sieht die versprochenen Vorteile in bisherigen Studien und Feldversuchen nicht bestätigt. Bei der Einführung in Österreich kritisiert man Voreiligkeit und fordert, zumindest Haushalte mit einem Verbrauch von weniger als 6.000 Kilowattstunden im Jahr von der Umstellung auszunehmen. Eine Forderung, der sich die Neos mittlerweile angeschlossen haben.

Grüne bemängeln Probleme bei Opt-out

Kritisch geben sich auch die Grünen, die darauf hinweisen, dass die FPÖ der Einführung der Smart Meter ursprünglich zugestimmt hatte. Bemängelt wird allerdings, dass die 2013 gesetzlich verankerte Opt-out-Möglichkeit von den Netzbetreibern oft missachtet würde. So soll Betroffenen etwa schon erklärt worden sein, ein solcher wäre nicht möglich.

Konsumentenschützer sehen Informationsmangel

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) und auch die Arbeiterkammer Wien (AK) bestätigen diese Darstellung gegenüber dem WebStandard zum Teil. Beide berichten von Kundenmeldungen, die oft durch mangelnde Information verursacht werden. So sei vielen Menschen nicht klar, dass der Austausch ihres bisherigen analogen Zählers gar nicht ablehnbar sei. Der Opt-out betrifft lediglich Funktionen, die den neuen digitalen Zähler zum Smart Meter machen.

Die Netzanbieter gingen mit Opt-out-Wünschen lange unterschiedlich um, denn eine exakte Regelung gab es bis vor wenigen Monaten nicht. Als Positivbeispiel nennen die Konsumentenschützer Netz Burgenland. Entscheidet sich ein Kunde dort gegen Smart Meter-Funktionen, wird dort der Zähler so konfiguriert, dass er einfach nur den Verbrauch misst und einmal jährlich übermittelt.

"Digitaler Standardzähler" als Minimallösung

Die E-Control schreibt seit 1. Juli für eine minimale Opt-out-Lösung in Form des "digitalen Standardzählers" vor. In einer solchen Konfiguration speichert das Gerät den Zählerstand nicht, sondern bildet ihn lediglich ab. Darüber hinaus darf es keine Aufbereitung der Verbrauchsdaten oder zeitabhängigen Tarife geben, auch die Möglichkeit zur Fernabschaltung oder Leistungsbegrenzung muss entfernt werden.

Eine Übermittlung des Standes erfolgt einmal im Jahr oder monatlich, darüber hinaus kann nur eine anlassbezogene Übertragung bei Anbieterwechseln, Tarifänferungen oder Umzügen geben. Die AK wünscht sich hier eine Änderung und möchte, dass der Kunde selbst darüber entscheidet, ob monatlich oder jährlich abgerechnet wird.

Quotenproblem

Eine weitere Unbekannte ist das "5 Prozent"-Problem. Überschreitet die Anzahl der Kunden, die auf Smart Meter-Features verzichten wollen, diese Schwelle, würde die österreichische Selbstvorgabe verfehlt werden. Es gibt nämlich keine Regelung für diesen Fall. Im schlimmsten denkbaren Falle könnten Betreiber bei Erreichen der Grenze beschließen, den Opt-out einfach nicht mehr anzubieten.

Zur Lösung schlägt die AK wiederum vor, "digitale Standardzähler" nicht mehr auf die Quote anzurechnen, da die Zähler immer noch Smart Meter seien, die lediglich umkonfiguriert würden. Das Wirtschaftsministerium lehnt eine Änderung bisher jedoch ab. Die AK kritisiert die Quotenlösung in Österreich, die deutlich ambitionierter ist als die EU-Vorgabe von 80 Prozent Smart Meter-Abdeckung bis 2020, als kundenfeindlich. Es sei Aufgabe der Stromlieferanten, für welche die neue Technologie besonders interessant ist, die Verbraucher von den Vorteilen der Smart Meter zu überzeugen.

Regierung ortet keine Probleme

Bei den Regierungsfraktionen sah man im Nationalratsplenum keine Bedenken hinsichtlich der Einführung. Bezüglich der positiven Effekte der Smart Meter verwies Sozialminister Hundstorfer auf Studien der E-Control. Er sehe alle Datenschutz- und Kostenfragen als ausgeräumt an, zumal die Umrüstung nicht von den Privathaushalten alleine zu stemmen sei.

Wie er betonte auch die ÖVP die Notwendigkeit zum digitalen Fortschritt. Bei der Volkspartei warb man unter anderem für die Möglichkeiten, stets einfach im Bilde über den eigenen Stromverbrauch zu sein sowie für die Realisierbarkeit spezieller, zum Beispiel tageszeitabhängiger Tarife für die Verbraucher. Auf deren finanzielle Belastung sei aber Rücksicht zu nehmen. (gpi, 31.10.2015)

  • Österreich strebt bis 2019 eine Smart-Meter-Verbreitung von 95 Prozent an. Die EU-Vorgabe würde 80 Prozent bis 2020 vorsehen.

    Österreich strebt bis 2019 eine Smart-Meter-Verbreitung von 95 Prozent an. Die EU-Vorgabe würde 80 Prozent bis 2020 vorsehen.

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