ProSiebenSat.1 will weniger abhängig von Werbespots werden

15. Oktober 2015, 11:29
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Bis 2018 soll Hälfte der Einnahmen aus Zusatzgeschäften kommen – Konzern plant größere Übernahmen

München – Der deutsche Medienkonzern ProSiebenSat.1 will spätestens in drei Jahren nur noch jeden zweiten Euro mit Fernsehwerbung erlösen. Dank rasant wachsender Geschäfte im Online-Handel und der Produktion von Sendungen für andere Anbieter soll die Abhängigkeit von den schwankenden Werbebudgets der Wirtschaft drastisch verringert werden, wie der Konzern am Donnerstag zu seinem Kapitalmarkttag mitteilte.

Die Gruppe will bis 2018 rund 50 Prozent der Erlöse außerhalb des klassischen TV-Werbegeschäfts erzielen. Noch kommen fast zwei Drittel des Geldes aus dem Verkauf von Werbezeiten. Auch der Erzrivale RTL Group stützt sich überwiegend auf diese Erlösquelle.

Konzernergebnisse besser als geplant

Vorstandschef Thomas Ebeling erhöhte zudem abermals die mittelfristigen Ziele des Konzerns. Dank der Zuwächse in allen Sparten, auch im Fernsehen, sollen Umsätze und Gewinne bis zum Jahr 2018 deutlich stärker steigen als bisher veranschlagt. Der Umsatz werde bis auf rund 4,2 Milliarden Euro steigen. Bisher hatte ProSiebenSat.1 knapp 3,4 Milliarden Euro angepeilt. Der Betriebsgewinn soll nun im gleichen Zeitraum auf 1,1 Milliarden Euro zulegen. Damit fällt das Plus 100 Millionen Euro höher aus, als sich der Vorstand bisher maximal zugetraut hatte.

Zum jährlichen Kapitalmarkttag in Unterföhring bei München wartet Ebeling traditionell mit guten Nachrichten für Aktionäre auf. Die Prognoseerhöhung hatte sich abgezeichnet: Seit der letzten Anhebung der Ziele für 2018 vor zwei Jahren hatte Ebeling mehrfach erklärt, ProSiebenSat.1 komme auf dem Weg zu seinen Mittelfristzielen schneller voran als geplant. Der Konzern, der Anwärter für einen Aufstieg in den Leitindex Dax ist, setzte im vergangenen Jahr 2,9 Mrd. Euro um und fuhr operativ 847 Mio. Euro Gewinn ein.

Größere Übernahmen geplant

Das Unternehmen will sich auf seiner Einkaufstour durch die Online-Branche künftig nicht mehr nur mit kleinen Firmen begnügen. "Wir sind jetzt offen für größere Ergänzungszukäufe", sagte Vorstandschef Thomas Ebeling am Donnerstag auf einer Investorenveranstaltung.

Übernahmen, die den Charakter des Konzerns verändern würden, lehne er aber nach wie vor ab. Finanzvorstand Gunnar Wiedenfels sagte, die Kasse dafür sei wieder auf 500 Mio. Euro aufgefüllt worden, nachdem ProSiebenSat.1 sein Übernahmebudget in gleicher Höhe im bisherigen Jahresverlauf aufgebraucht habe.

Konzernstruktur auf dem Prüfstand

Ebelings Erfolgsgeheimnis ist die Verknüpfung der TV-Sender mit den Hoffnungsträgern der Online-Welt. Für Videoanbieter, Online-Spiele und Shopping-Plattformen zahlt ProSiebenSat.1 oft nur zweistellige Millionenbeträge und päppelt sie dann mit vergünstigten TV-Werbespots, sodass sie einem Millionenpublikum bekannt werden. Zuletzt stemmte ProSiebenSat.1 allerdings auch zwei Zukäufe in Größenordnungen von 200 Mio. Euro: das Preisvergleichsportal Verivox und den Flugreise-Spezialisten Etraveli.

Auch eine Abtrennung von Unternehmensteilen, die dann an der Börse platziert würden, könne er sich vorstellen, sagte Ebeling. Der Vorstand prüfe fortwährend, was die beste Struktur für den Konzern sei. "Ein Spin-off-Börsengang steht nicht bevor, aber wir prüfen so etwas ständig", sagte der Vorstandschef. (APA/Reuters, 15.10.2015)

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