Inflation Streitpunkt in Metaller-KV-Verhandlungen

15. Oktober 2015, 10:47
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Arbeitgeber verweisen auf deutlich niedrigere Teuerung am Exportmarkt Europa, Gewerkschaften pochen auf heimische Teuerung

Wien – Donnerstagnachmittag startet die zweite Runde der Kollektivvertragsverhandlungen mit dem größten Metallerfachverband, der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) mit seinen 120.000 Beschäftigen. Während sich die Sozialpartner in der ersten Runde mit drei anderen Metallerverbänden auf eine Inflationsrate als Verhandlungsbasis geeinigt haben, steht dies beim FMMI noch aus.

Die Fachverbände Fahrzeugindustrie, Nichteisenmetalle und Bergbau-Stahl verständigten sich mit den Arbeitnehmervertretern der Produktionsgewerkschaft Pro-Ge und der Gewerkschaft der Privatangestellten GPA auf eine Teuerungsrate für die zurückliegenden zwölf Monate von 1,1 Prozent. Für die Gewerkschaften ist die Inflationsabgeltung plus der Produktionszuwachs die Latte für den Abschluss, eine Einigung unter der Teuerungsrate gilt als No-Go. Traditionell werden die vergangen zwölf Monate dafür herangezogen.

Europäische Teuerung

FMMI-Obmann Christian Knill hingegen sieht die Inflation überbewertet, da die Preistreiber Mieten und Betriebskosten seien, die wiederum nichts mit der Metallbranche zu tun haben. Außerdem sei die Maschinen- und Metallwarenindustrie extrem exportorientiert, und die Inflationsraten in den anderen europäischen Ländern seien deutlich niedriger. Im Vorjahr hatte Knill daher angeregt, von der europäischen Teuerung auszugehen.

Das Wifo rechnet mit einer Inflationsrate heuer von 1,1 Prozent, womit sie schon das achte Jahr höher ist als in Deutschland und das fünfte Jahr über dem Euroraum liegt. Beim Wirtschaftswachstum auf BIP-Basis erwartet das Wifo eine Zunahme von 1,4 Prozent.

Einigung unwahrscheinlich

Eine Einigung am Donnerstag gilt ob der schwierigen Ausgangsposition als sehr unwahrscheinlich. Bei der heurigen KV-Runde hat der FMMI noch vor Beginn des eigentlichen Feilschens die Gespräche unterbrochen, weil er von der Regierung Klarheit haben wollte, ob nun die 6. Urlaubswoche für alle kommt. Diesem Wunsch kam die Regierung nach anfänglichen Zögern nach: Sie kommt vorerst nicht.

Die Gewerkschaften wiederum haben sie weiterhin auf der Forderungsliste, sind aber ohne Regierung hier recht zahnlos. Aus Gewerkschaftskreisen hieß es zur APA, man sei weiter kampfbereit. Nach der Unterbrechung durch die Arbeitgeber holten sich die Verhandler Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Rudolf Wagner (GPA) schon einmal die Zustimmung zu weiteren Kampfmaßnahmen – diese sei weiter aufrecht, so die Arbeitnehmervertreter. (APA

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