Pistorius kommt unter Hausarrest

15. Oktober 2015, 17:09
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Die Freiheit des Sportlers ist vielleicht von kurzer Dauer: Staatsanwaltschaft will ihn wegen Mordes verurteilt sehen

Johannesburg –Der Augenblick, auf den die Familie von Ex-Sportstar Oscar Pistorius so lange gehofft hat, wird am kommenden Dienstag Wirklichkeit. Dann sollen sich die Tore des Kgosi Mampuru-Gefängnisses in Südafrikas Hauptstadt Pretoria für den einstigen Paralympics-Star öffnen, der als beinamputierter Sprinter Sportgeschichte geschrieben hatte.

Die Bewährungskommission der Haftanstalt entschied am Donnerstag, dass der einstige Athlet wegen guter Führung am 20. Oktober in den Hausarrest entlassen wird. Fast auf den Tag genau ein Jahr, nachdem der 28-Jährige zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war.

Vier Schüsse

Der Südafrikaner hatte seine Freundin Reeva Steenkamp 2013 mit vier Schüssen durch eine geschlossene Toilettentür getötet – im Prozess gab er an, dahinter Einbrecher im gemeinsamen Haus vermutet zu haben. Im Oktober 2014 wurde er dafür zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er hat sich in Haft gut geführt, daher darf er nach Verbüßung eines Sechstels seiner Strafe in Hausarrest wechseln.

Über seine Zeit im Gefängnis ist nur wenig nach außen gedrungen. Wegen seiner Behinderung wurde er in einem Krankenhaustrakt untergebracht, wo er wesentlich bessere Bedingungen als in den normalen Zellen hatte. Offiziell noch unklar ist, wo Pistorius seine begrenzte Freiheit nun verbringen wird. Beobachter vermuten, dass er die Luxusvilla seines Onkels in Pretoria beziehen wird, wo er auch während des Prozesses gelebt hatte.

Berufung der Staatsanwalt

Nur zwei Wochen später, am 3. November, steht in Bloemfontein die Berufung der Staatsanwaltschaft zur Verhandlung an. Sie hat Berufung gegen das Totschlagsurteil eingelegt und möchte ihn nach südafrikanischem Recht wegen Mordes verurteilt sehen.

In Südafrikas Öffentlichkeit polarisiert der Name Pistorius auch weiterhin. In einem Land, in dem Schwarz und Weiß auch 25 Jahre nach dem Fall der rassistischen Apartheid-Politik noch immer eher neben- statt miteinander leben, steht Pistorius als eine Art Symbol für den vermögenden Weißen. Als ein Privilegierter, der sich anders als viele schwarze Täter seine Freiheiten durch teure Anwälte erkaufen kann.

Kein Verständnis für Verzögerung

Mit Unverständnis hatte die Familie noch vor einer Woche auf immer wieder eintretende Verzögerungen bei der geplanten Haftentlassung reagiert. Sie war zunächst für August geplant, wurde aber im letzten Moment vom Justizminister blockiert. Dann folgte eine erneute Verschiebung. "Diese Erfahrung drängt uns zu dem unangenehmen Schluss, dass der öffentliche, politische und mediale Hype – der sich um Oscars Verfahren entwickeln konnte – sein Recht beeinträchtigt hat, wie jeder andere Gefangene auch behandelt zu werden", erklärte die Familie.

Dass der Name Pistorius weiterhin Aufmerksamkeit erregt, bewiesen zwei junge Südafrikaner erst vor kurzem. Mit Bierdosen in der Hand zeigte ein Video sie beim Rundgang durch Pistorius früheres Anwesen. Die Mieter kündigten darin an, ihr für knapp 2.000 Euro gemietetes Haus künftig in einen Party-Palast umwandeln zu wollen – inklusive Besichtigung des einstigen Tatortes. Große Teile der Öffentlichkeit verurteilten das Video als schlicht geschmacklos. (APA, 15.10.2015)

  • Pistorius ist wieder vor Gericht.
    foto: apa / epa / kim ludbrook

    Pistorius ist wieder vor Gericht.

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