Ebola-Virus überlebt im Sperma bis zu neun Monate

15. Oktober 2015, 10:29
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WHO-Empfehlung: Um Ansteckungen zu verhindern, sollten ehemalige Ebola-Patienten noch sechs bis zwölf Monate nach ihrer Erkrankung medizinisch betreut werden

Miami/Freetown/Conakry – Das Ebola-Virus kann einer neuen Studie zufolge deutlich länger überleben als bisher angenommen wurde. Laut der im "New England Journal of Medicine" veröffentlichten Untersuchung überlebt das Virus bis zu neun Monate im männlichen Samen.

"Diese Ergebnisse kommen in einem entscheidenden Moment", sagt der Verantwortliche der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für den Kampf gegen Ebola, Bruce Aylward. "Sie erinnern uns daran, dass, obgleich die Ebola-Fälle zurückgehen, die Überlebenden und ihre Familien weiter mit den Auswirkungen der Krankheit zu kämpfen haben."

Die Studie zeige, dass Überlebende noch sechs bis zwölf Monate nach ihrer Erkrankung medizinisch betreut werden müssten, damit sicher gestellt werde, dass ihre Partner sich nicht ansteckten, so Aylward. Im März hatten Forscher den Fall einer liberianischen Frau beschrieben, die sich durch Sex mit einem Ebola-Überlebenden ansteckte. Der Mann war sechs Monate zuvor positiv auf Ebola getestet worden. Bis dahin war die längste bekannte Überlebensdauer des Ebola-Virus in Sperma 82 Tage gewesen.

Virus bis zu neun Monate nachweisbar

An der nun veröffentlichten Studie nahmen 93 Männer aus Sierra Leone teil, das neben den Nachbarländern Guinea und Liberia am stärksten von der Ende 2013 ausgebrochenen Ebola-Epidemie betroffen war. Die Teilnehmer der Studie wurden zwischen zwei und zehn Monate nach ihrer Erkrankung medizinisch beobachtet.

Die Männer, die in den ersten drei Monaten nach ihrer Erkrankung getestet wurden, hatten ohne Ausnahme noch das Ebola-Virus im Sperma. Von den Männern, die vier bis sechs Monate nach der Diagnose getestet wurden, waren noch 65 Prozent positiv. Bei über ein Viertel der Männer (26 Prozent), die zwischen sieben und neun Monate nach der Erkrankung getestet wurden, konnte das Virus im Sperma nachgewiesen werden.

Versteckte Viren

Die Forscher können nicht sagen, ob die nachgewiesenen Virus-Spuren im Sperma noch eine Ansteckungsgefahr für die Partnerinnen darstellen. Bisher gilt ein Ebola-Patient als geheilt, wenn das Virus nicht mehr im Blut nachweisbar ist.

Daniel Bausch, Virologe bei der WHO in Genf, sagt, in bestimmten Teilen des Organismus überlebe das Virus nach der Heilung länger, weil das Immunsystem länger brauche, "um diese Stellen zu reinigen". Dazu zählten die Hoden, das Gehirn, das Rückenmark und der Augapfel.

Selbst, wenn das Virus nicht im Blut sei, könne es sich an diesen Stellen verstecken, warnt Ilhem Messaoudi von der Universität von Kalifornien in Riverside. "Wir müssen das wissen, denn das bildet die Grundlage für mögliche neue Ausbrüche." Die Studie wurde gemeinsam vom Gesundheitsministerium Sierra Leones, der WHO und den US-Zentren für Krankheitskontrolle- und prävention durchgeführt. (APA, 15.10.2015)

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