Warum "Playboy" den Kampf gegen Onlinepornos verloren gibt

15. Oktober 2015, 09:39
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Gesetzeslosigkeit und Piraterie lassen traditionellen Akteuren der Pornobranchen nur mehr wenig Platz

Das legendäre Magazin "Playboy" wird künftig auf Nacktbilder verzichten: Diese Nachricht löste vergangenen Dienstag ähnlich viel Aufregung aus wie es die entkleideten Damen des "Playboys" in den 1950er-Jahren vermochten. Eine Ikone der Branche kapituliert vor Onlinepornos– und gesteht diese Niederlage auch offen ein. Künftig will "Playboy" auf mehr klassische Reportagen setzen und Lifestyle-Themen fokussieren. Also ähnlich wie "Esquire", bei dem "Playboy"-Gründer Hugh Hefner ursprünglich tätig war.

Piraterie

Der Grund für die Niederlage liegt auf der Hand: Zur Blütezeit des Magazins gab es – abseits des verruchten Pornokinos – keine Möglichkeit, Nacktbilder zu konsumieren. Mehr Konkurrenz setzte den "Playboy" logischerweise unter Druck, vor allem ab den 2000er-Jahren. Doch wenn man einen Schritt zurücktritt, erkennt man, dass die kommerzielle Pornobranche gleich doppelt attackiert wird. Einerseits kämpft sie – wie Musik- oder Filmbranche – mit Piraterie. Es dauerte oftmals keine zehn Minuten nach Erscheinungstermin, bis ganze "Playboy"-Ausgaben online verfügbar waren. Das gilt natürlich im selben Grad auch für professionelle Studios mit um einiges härterer Gangart.

Disruption

Andererseits ist die Pornobranche im weitesten Sinn auch ein Urahn jener "Sharing Economy" , die gerade in Form von Apps wie AirBnB oder Uber für Kopfzerbrechen in klassischen Wirtschaftszweigen sorgt. Denn Pornografie kann jeder selbst herstellen. Webcams und Smartphones reichen, um qualitativ akzeptable Bewegtbilder oder Fotos aufzunehmen. Bei Nutzern steigt oft die Lust nach "authentischen" Bildern, die vom Hochglanz der klassischen Pornobranche weggeht – eine Ästhetik, die wiederum vom "Playboy" maßgeblich geprägt worden ist.

Zahlreiche Gesetze

Im Unterschied zu anderen Bereichen, die unter Druck geraten, kann die noch immer als anrüchig geltende Pornobranche nicht auf Unterstützung durch Regierungsinitiativen hoffen. Im Gegenteil: Zahlreiche Vorschriften erschweren professionellen Betreibern das Leben. So berichtet TheVerge, dass US-Pornokonzerne ab Anfang der 2000er ausführlich Buch über ihre Mitarbeiter führen mussten. Visa und MasterCard weigerten sich, die Überweisung von Geld an Pornoseiten wie eine reguläre Transaktion zu betrachten – für Kunden fielen Extragebühren an.

Auch die IT-Konzerne führen einen aus europäischer Perspektive durchaus unverständlichen Kampf gegen erotische Bilder: Das scharfe Vorgehen Facebooks gegen jede Form von Nacktheit ist mittlerweile bekannt, doch auch Apple verbannt Apps mit (auch nur leicht) pornografischen Inhalten. Die "Playboy"-App wurde mehrfach gesperrt.

Gesetzeslosigkeit der Amateure

Nun mögen die zahlreichen Vorschriften – besonders, wenn es um die Gesundheit der Darsteller geht – durchaus Sinn ergeben. Angesichts einer Konkurrenz, die sämtliche Regeln, Vorschriften und Gesetze nach Strich und Faden ignoriert – und ihr Produkt zu einem weitaus kostengünstigeren oder sogar kostenfreien Preis anbietet – ist die Verzweiflung der Pornobranche aber durchaus verständlich. Für den "Playboy" selbst ist der Rückzug allerdings halb so schlimm: Den Großteil seiner Einnahmen macht das Magazin schon seit Jahren mit Merchandise und seinem legendären "Playboy"-Häschen. (fsc, 15.10.2015)

  • Playboy-Gründer Hugh Hefner mit der ersten Ausgabe seines Magazins – das nun vor Onlinepornos kapituliert
    foto: ap/west

    Playboy-Gründer Hugh Hefner mit der ersten Ausgabe seines Magazins – das nun vor Onlinepornos kapituliert

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