Wiener Vizebürgermeister Gudenus fordert Sicherheitsressort

14. Oktober 2015, 19:58
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Johann Gudenus will von Häupl ein Ressort für Sicherheit fordern. SPÖ und Grüne trafen einander "in vertrauter Atmosphäre"

Wien – Die ersten Gespräche mit Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) nach der Wien-Wahl finden für die ÖVP und die Freiheitlichen am Donnerstag statt. Die erste Runde absolviert haben bereits Rot und Grün: Am Mittwoch plauderten Häupl, Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou sowie je zwei weitere Spitzenvertreter beider Parteien mehr als eine Stunde lang "in vertrauter Atmosphäre und vertrauter Zusammensetzung", wie es hieß. Der anschließende Termin mit Neos-Spitzenkandidatin Beate Meinl-Reisinger dauerte eine halbe Stunde. Über Ergebnisse will die SPÖ am Dienstag im Vorstand beraten. Danach sollen erste Koalitionsverhandlungen starten.

Ob ein FPÖ-Vorschlag im SPÖ-Vorstand breit diskutiert wird, ist fraglich. Häupl schließt eine Zusammenarbeit mit den Freiheitlichen aus. Dennoch will Johann Gudenus, der von seiner Partei zum nicht amtsführenden Vizebürgermeister nominiert wird, am Donnerstag im Gespräch mit Häupl auch ein Sicherheitsressort für die FPÖ einfordern. Das bestätigte Gudenus dem STANDARD. Die FPÖ rückt ebenfalls mit einer kleinen Abordnung von drei Personen an.

Der Aufstieg Gudenus' zum Vizebürgermeister – dieses Anrecht erreichte die FPÖ dank der Eroberung von 34 Mandaten – ist für den bisherigen Klubchef mit finanziellen Abstrichen verbunden. Als Klubobmann stehen dem 39-Jährigen monatlich 12.016,90 Euro zu, das nicht amtsführende Vizebürgermeisteramt bringt 9.441,60 Euro.

Nepp folgt Gudenus

Seitens der Partei versicherte man am Mittwoch, es sei "kein Thema", dass Gudenus künftig weniger verdiene. Er werde von der Partei dafür keine Ausgleichszahlungen erhalten.

Als Klubchef folgt Gudenus jedenfalls der 33-jährige Gemeinderat Dominik Nepp nach. Es ist eine Amtsübergabe unter engen Freunden. 2009 wurde Nepp Bundesobmann des FPÖ-Nachwuchses Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ). Sein Amtsvorgänger hieß Johann Gudenus; der künftige Wiener Vizebürgermeister wurde damals einstimmig zum RFJ-Ehrenobmann ernannt.

Während Gudenus wie FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache Mitglied der schlagenden deutschnationalen Wiener pennalen Burschenschaft Vandalia ist, gehört Nepp zur pflichtschlagenden akademischen Burschenschaft Aldania. Nepp studiert an der Fachhochschule Campus Wien und arbeitet derzeit an seiner Masterarbeit im Bereich "Führung, Politik und Management".

Gudenus, der als Statthalter Straches in Wien gilt, kommt als künftigem Vizebürgermeister der Stadt mehr Aufmerksamkeit zu – auch wenn die Funktion praktisch ohne Machtbefugnisse ausgestattet ist. Das prestigereiche Amt in der politischen Auslage steht konträr zu einigen umstrittenen Aussagen, die Gudenus im Lauf seiner FPÖ-Karriere getätigt hat (siehe unten).

NPD feiert mit Wiener FPÖ

Den Erfolg bei der Wahl hatte die FPÖ am Sonntag offenbar auch mit Sympathisanten von der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) gefeiert. Darauf lässt ein Facebook-Eintrag des NPD-Landesverbands Bayern schließen. Eine "inoffizielle Delegation", die in Wien dabei war, ließ ausrichten, dass "das deutsche Volk in Österreich und dem Altreich" nur in der "Schärfung seines Identitären Bewusstseins eine Chance" habe, "die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte zu meistern". (David Krutzler, 14.10.2015)

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Kopf des Tages: Johann Gudenus: Rechter im Nadelstreif aus blauem Blut

Hintergrund: Zitate von Johann Gudenus

"Systematischer Umvolkung sofort ein Ende setzen." Johann Gudenus, 30.3.2004, benutzt für seine Kritik an der steigenden Zahl der Einbürgerungen einen Begriff aus der NS-Zeit.

"Der Großteil dieser Menschen sind Scheinasylanten und Wirtschaftsflüchtlinge, die sich in Österreich auf Kosten der rot-weiß-roten Steuerzahler ein schönes Leben machen. Der Asyl-Lobby mit ihrem Anführer, dem Quotenübererfüller Bürgermeister Michael Häupl, gehört das Handwerk gelegt!" Gudenus, 4.1.2012, über Asylzahlen.

"Alles, was ausländisch ist, wird mit Geld überhäuft, während die autochthone Bevölkerung ausgepresst und über viele Generationen verschuldet wird." Gudenus, 29.7.2012, in einer Aussendung.

"Wenn H.-C. Strache den Bundeskanzler stellt (...), dann heißt es bei Bedarf auch Knüppel aus dem Sack. Es kann nicht sein, dass uns solche Menschen in Österreich auf der Nase herumtanzen. Wir müssen ihnen die Tür zeigen. Ab nach Hause, hatsch ma ham nach Pakistan." Gudenus, 12.9.2013, bei einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung.

"90 Prozent der Asylwerber sind Wirtschaftsflüchtlinge und illegal bei uns." Gudenus, 28.11.2013, per Aussendung.

"Der voreilige Kniefall der rot-grünen Stadtregierung vor den Moslems ist längst in einen Feldzug linker Ideologen gegen die österreichische Identität ausgeartet." Gudenus, 4.12.2013, kritisiert, dass es in Wien "nicht einmal mehr Adventkränze mit Kerzen in Schulen" gibt.

"Die europäische Homosexuellenlobby will eine absolute Gleichberechtigung von Homosexuellen und Lesben, darunter auch das Recht auf Adoption von Kindern." Gudenus, 11.9.2014, bei einer Veranstaltung in Moskau.

  • FPÖ-Klubchef Johann Gudenus (links) verdient als künftiger Vizebürgermeister in Wien weniger. Das werde die Partei nicht ausgleichen, hieß es. Heinz-Christian Strache bleibt im Nationalrat.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    FPÖ-Klubchef Johann Gudenus (links) verdient als künftiger Vizebürgermeister in Wien weniger. Das werde die Partei nicht ausgleichen, hieß es. Heinz-Christian Strache bleibt im Nationalrat.

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