Notgroschen bleibt Sparmotiv Nummer eins

14. Oktober 2015, 18:01
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Die Niedrigzinsen verändern das Sparverhalten: Bausparer und Sparbuch bleiben Klassiker, aber Wertpapiere werden beliebter

Wien – Die Niedrigzinsen machen es den österreichischen Sparern aktuell nicht leicht. Inwieweit sich 2015 das Sparverhalten im viertreichsten Euroland verändert hat, hat nun eine Imas-Sparstudie im Auftrag von Erste Bank und Sparkassen erhoben. Während laut Umfrage Sparen nur noch für 68 Prozent von Bedeutung ist – ein Rückgang von acht Prozent seit 2010 -, ist der monatliche Betrag, den die Österreicher beiseitelegen, auf 201 Euro gestiegen. Im Vorjahr wurden im Schnitt 188 Euro monatlich lockergemacht. Allerdings sei die Zufriedenheit mit der Sparleistung auf demselben Niveau wie vor zehn Jahren, wie Peter Bosek, Privatkundenvorstand der Erste Bank, vor Journalisten erklärt.

foto: apa/georg hochmuth
Während das Sparbuch unter den Niedrigzinsen leidet, steht der Notgroschen für Österreichs Sparer hoch im Kurs.

Bemerkenswert auch, dass Österreich seinen Titel als Sparweltmeister zu verlieren droht: Die Bedeutung des Sparens sei an einem Zehnjahrestiefpunkt angelangt. Ein knappes Drittel der Befragten gab an, dass Sparen für sie nicht wichtig sei.

Noch kein Trend ablesbar

Beliebteste Sparform ist nach wie vor das klassische Sparbuch. Allerdings hat es seit dem Vorjahr um sechs Prozent eingebüßt. Nach Bausparen und Lebensversicherung haben Anlagen in Wertpapieren, Fonds und Anleihen im Vergleich zum Vorjahr zugelegt. Bosek: "Das gestiegene Interesse ist insofern bemerkenswert, als wir in einem Land leben, das Anlagen in Aktien lange als Teufelszeug gesehen hat", so Bosek weiter. Ob daraus allerdings ein Trend abzuleiten sei, lasse sich erst in einigen Jahren sagen.

Und wofür wurde 2015 gespart? Der Notgroschen steht nach wie vor bei 85 Prozent an oberster Stelle. Bosek spricht in diesem Zusammenhang von "finanziellem Basislager", im Idealfall in Höhe von zwei bis drei Monatsgehältern, um Unvorhergesehenes zu berappen. An zweiter Stelle der Rücklagen steht das Sparen für Renovierungen. Mit 41 Prozent hat sich dieser Wert seit den letzten zehn Jahren verdoppelt. "Renoviert wird häufig dann, wenn man Geld nicht längerfristig veranlagen möchte. Durch die niedrigen Zinsen wurde hier sicher ein Renovierungsturbo gezündet", so Bosek.

Unterschiedliche Spartypen

Die Studie unterscheidet zwischen drei Spartypen: Die Traditionellen (44 Prozent) sparen im Schnitt 174 Euro im Monat, möchten die Familie absichern und für das eigene Alter vorsorgen. Sie setzen auf klassische Produkte wie Sparbuch, Bausparen und Lebensversicherung und sind skeptisch gegenüber Aktien, Fonds und Anleihen. Als Reaktion auf die Niedrigzinsen lassen sie ihr Geld auf dem Girokonto liegen oder legen es langfristig in Lebensversicherungen an.

Die Wenigsparer (31 Prozent) legen monatlich rund 156 Euro zur Seite. Ein Drittel von ihnen gibt an, momentan nicht genügend Geld zum Sparen zu haben. Sparbuch und Bausparer sind auch hier die Favoriten, 20 Prozent dieser Gruppe verfügen aber über gar kein Sparprodukt. Rund ein Viertel verfolgen zwar aufmerksam Berichte zum Thema Geld und Sparen, haben aber nicht das Gefühl, gut Bescheid zu wissen.

Mit 25 Prozent machen die Vielseitigen die kleinste Gruppe der Sparer aus. Mit 297 Euro erreichen sie den höchsten monatlichen Sparbetrag. Frühzeitige Altersvorsorge ist für sie ein Muss, die Absicherung der Familie für 60 Prozent Pflicht. Acht von zehn besitzen Aktien, Anleihen oder Fonds, circa ein Drittel hat Immobilien als Anlage. Jeder Fünfte ist darüber hinaus bei der Geldanlage risikobereit, jeder Zweite denkt über die beste Anlageform nach. Drei Viertel sind der Meinung, über die besten Sparformen Bescheid zu wissen.

Rat zur Diversifikation

Sparbuch und Bausparer seien für kurz- und mittelfristige Anlagen die richtigen Produkte, so Thomas Schaufler, Geschäftsführer der Erste Asset Management. Für einen langfristigen Vermögensaufbau, Ansparen für die Pension oder Ausbildung der Kinder rät er zu Diversifikation, beispielsweise ein Produktportfolio aus Immobilien, Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffen. "Nicht alles auf eine Karte setzen" lautet die Devise. "Das Thema wird leider für viele erst dann augenscheinlich, wenn die Sparzinsen im Keller sind." Immerhin sind in den letzten fünf Jahren bei der Verzinsung von Einlagen in Österreich verglichen mit den fünf Jahren vor der Finanzkrise 24 Milliarden an Zinsen verlorengegangen. (Sigrid Schamall, 15.10.2015)

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