US-Großbanken spüren Minizinsen

14. Oktober 2015, 17:07
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Bank of America profitiert von Sparkurs, JP Morgan warnt: Erwartungen der Analysten zu optimistisch

New York – Das Dauertief bei den Zinsen macht den größten US-Banken immer mehr zu schaffen. Marktführer JP Morgan musste im dritten Quartal zusehen, wie sein Gewinn im wichtigen Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren einbrach. Die Nummer zwei der Branche, Bank of America (BofA) Merrill Lynch, federte das Minus im Zinsüberschuss dagegen mit Kostensenkungen ab, wie sie am Mittwoch mitteilte.

Auch der größte Immobilienfinanzierer der USA, Wells Fargo, hat wegen der Niedrigzins-Politik der Notenbank Fed Schwierigkeiten, die wachsenden Einlagen in höhere Gewinne umzumünzen. Immerhin reichte es zum ersten Mal in diesem Jahr zu einem kleinen Ergebniszuwachs.

Schwieriges Umfeld

Wegen der Konjunkturabkühlung in China und anderen Schwellenländern zögerte die Fed zuletzt mit ihrer ersten Zinserhöhung seit fast zehn Jahren, obwohl die US-Wirtschaft brummt. Viele Experten rechnen nun nicht mehr in diesem Jahr mit einem solchen Schritt. Seit Ende 2008 – dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise – liegen die Zinsen nahe null Prozent. JP-Morgan-Finanzchefin Marianne Lake sagte, das Marktumfeld für Banken bleibe schwierig. Die Schätzungen der Analysten für das vierte Quartal seien eher zu hoch. Das sind auch schlechte Vorzeichen für andere US-Banken, die ihre Zahlen in den nächsten Tagen vorlegen. Citigroup und die führende Investmentbank Goldman Sachs folgen zum Beispiel am Donnerstag.

Die Bank of America kehrte im dritten Quartal immerhin in die Gewinnzone zurück. Sie verdiente unter dem Strich 4,07 Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro), mehr als von Analysten erwartet. Vor einem Jahr waren die Zahlen noch von einem 5,6 Milliarden Dollar schweren Vergleich überschattet worden, mit dem die Bank für Hypotheken-Geschäfte der Tochter Countrywide in der Finanzkrise büßte. Doch die Erlöse aus dem Anleihenhandel brachen dieses Mal um elf Prozent ein. Bank-of-America-Chef Brian Moynihan hat sich allerdings mit einem Sparprogramm und Stellenstreichungen dagegen gestemmt. Die Kosten wurden so um vier Prozent gedrückt.

Sattes Minus

JP Morgan Chase wurde dagegen im Sommer mit voller Wucht vom schwachen Geschäft mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen getroffen. Hier brachen die Einnahmen im Jahresvergleich um 23 Prozent auf 2,93 Milliarden Dollar ein. Ohne Spartenverkäufe und andere Sondereffekte ergab sich immer noch ein Minus von elf Prozent. Dass der Nettogewinn dennoch um 22 Prozent auf 6,27 Milliarden Dollar nach oben schnellte und die Schätzungen der Analysten übertraf, lag an einer Steuergutschrift und daran, dass eine Milliarde Dollar an Kosten für die juristische Bewältigung der Altlasten wegfiel. Gewinnzuwächse verbuchte von den vier Sparten nur das Geschäft mit Privatkunden.

Auch die Deutsche Bank ist traditionell abhängig vom Handel mit festverzinslichen Wertpapieren. Allerdings hat der deutsche Branchenprimus derzeit ganz andere Probleme. Im dritten Quartal machte die Bank einen Rekordverlust von sechs Milliarden Euro. Sie schrieb Milliarden auf die Investmentbank und die Postbank ab, und auch für Rechtsstreitigkeiten musste sie erneut viel Geld zur Seite legen.

Ähnlich wie der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan versucht auch JP-Morgan-Boss Jamie Dimon, sein Haus schlanker aufzustellen. Denn eine hohe Bilanzsumme bindet viel Eigenkapital, was wiederum die Rendite drückt. Zwischen Juli und September hat Dimon 32 Milliarden Dollar aus der 2,4 Billionen schweren Bilanz herausgenommen, die er schon im zweiten Quartal um fünf Prozent gesenkt hatte. "Wir haben große Fortschritte gemacht", sagte Finanzchefin Lake. Nun werde es aber immer schwerer, weiter auszudünnen.

Bilanzriese

Seit 2008 hatte JP Morgan die Bilanz um mehr als die Hälfte aufgebläht. Das Institut hatte mehrere Rivalen übernommen, die in Schieflage geraten waren. JP Morgan wäre in einer neuen Finanzkrise wegen seiner Größe und Komplexität am gefährlichsten für das ganze Finanzsystem und muss daher zur Sicherheit mehr Kapital vorhalten als andere.

Der Nummer vier auf dem US-Markt, Wells Fargo, kam im dritten Quartal die Übernahme eines neun Milliarden Dollar schweren Immobilienkredit-Portfolios von GE zugute. Das trieb den Gewinn der Bank aus San Francisco leicht auf 5,44 von 5,41 Milliarden Dollar, obwohl das Hypothekengeschäft um fast drei Prozent schrumpfte. Der Markt für Häuser und Wohnungen hat nach Ansicht einiger Analysten den Höhepunkt bereits erreicht, die Anträge für Hypothekenkredite sind branchenweit seit Anfang des Jahres schon um 25 Prozent zurückgegangen. (APA, Reuters, 14.10.2015)

  • Die Banken an der Wall Street in New York hoffen auf eine baldige Zinswende.
    foto: ap/jin lee

    Die Banken an der Wall Street in New York hoffen auf eine baldige Zinswende.

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