Noch finster: Blick auf den kosmischen Kohlensack

16. Oktober 2015, 18:05
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Neues Bild der Europäischen Südsternwarte zeigt die Dunkelwolke, die einst als "Schwarze Magellansche Wolke" bezeichnet wurde

Heidelberg – Auf diesem Bild würden wir eine sternenreiche Region der südlichen Milchstraße sehen – wenn da nicht er dazwischenliegen würde: Der Kohlensack ... oder auch der Kopf des Emus, wenn es nach den australischen Aborigines geht. Ihnen ist das Phänomen wie allen Bewohnern der Südhalbkugel seit jeher bekannt, denn seine Silhouette ist eine ausgesprochen auffällige Erscheinung.

Es handelt sich dabei um eine Dunkelwolke aus interstellarer Materie, die sich an die 600 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Kreuz des Südens befindet. Ein großer Teil der Staubteilchen in der Dunkelwolke weist eine Schicht aus gefrorenem Wasser, Stickstoff, Kohlenstoffmonoxid oder anderen einfachen organischen Molekülen auf. Die daraus entstehenden Körner verhindern weitestgehend, dass Licht die kosmische Wolke durchqueren kann.

Die Finsternis wird weichen

Das wenige Licht, das es durch den Nebel schafft (etwa zehn Prozent der Helligkeit der umgebenden Milchstraße), tritt auf der anderen Seite nicht unverändert wieder aus. Das Licht, das auf diesem neuen Bild der Europäischen Südsternwarte (ESO) zu sehen ist, erscheint rötlicher, als es eigentlich sein sollte. Die Ursache dafür liegt darin, dass der Staub in Dunkelwolken das blaue Licht von Sternen mehr absorbiert und stärker streut als rotes Licht, weshalb die Sterne um mehrere Abstufungen Richtung Purpurrot verschoben scheinen.

Allerdings wird der Kohlensack – eine der wenigen Dunkelwolken, die einen eigenen Namen erhalten haben – nicht für immer so dunkel bleiben. Derart dicke Wolken enthalten große Mengen an Staub und Gas und somit den "Brennstoff" für neue Sterne. Sobald das Streumaterial im Kohlensack im Lauf von Jahrmillionen aufgrund der gegenseitigen Anziehungskraft zusammengeschmolzen ist, werden in der vormaligen Finsternis neue Sterne aufleuchten. (red, 16. 10. 2015)


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ESO

  • Von Europäern sind Sichtungen des Kohlensacks erst aus dem späten 15. Jahrhundert überliefert. In Anlehnung an die beiden Satellitengalaxien der Milchstraße erhielt er den Spitznamen "Schwarze Magellansche Wolke".
    foto: eso

    Von Europäern sind Sichtungen des Kohlensacks erst aus dem späten 15. Jahrhundert überliefert. In Anlehnung an die beiden Satellitengalaxien der Milchstraße erhielt er den Spitznamen "Schwarze Magellansche Wolke".

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