Flusshaie halten sich doch auch im Meer auf

18. Oktober 2015, 10:00
1 Posting

Die vermeintlichen Süßwasserspezialisten unter den Haien sind doch keine Ausnahme von der Regel

Potsdam – Reine Süßwasserbewohner sind unter Knorpelfischen eine Seltenheit. Es gibt Süßwasserstechrochen in den Flussystemen Südamerikas, und bislang glaubte man, dass auch Flusshaie der Gattung Glyphis ausschließlich in den Süß- und Brackwasserzonen asiatischer und australischer Flüsse zuhause wären. Letztere müssen aber wieder von der Liste gestrichen werden, wie die Universität Potsdam berichtet.

Die Mitte des 19. Jahrhunderts erstbeschriebenen Flusshaie, von denen man heute fünf Spezies benannt hat, waren lange Zeit unbeschriebene Blätter. Die Tiere, deren größte Exemplare über zwei Meter lang werden können, waren nur anhand weniger, über 100 Jahre alter Typusexemplare aus Museen bekannt. Sie galten bis Ende des 20. Jahrhunderts, als in Australien und Südostasien einige Populationen wiederentdeckt wurden, sogar als ausgestorben.

Neue Untersuchung

Ein internationales Forscherteam, dem auch Michael Hofreiter von der Universität Potsdam angehört, ist es nun gelungen, mit Hilfe von DNA-Sequenzen aus Museumsexemplaren und frisch gefangenen Tieren die Evolutionsgeschichte und Ökologie der kaum erforschten Tiere zu klären. Die Ergebnisse sind in den "Proceedings of the National Academy of Science of the USA" (PNAS) erschienen.

Die Forscher benutzten dabei eine Technik, mit deren Hilfe sich auch aus der stark beschädigten DNA der Museumsexemplare komplette Genome rekonstruieren ließen. Und die Ergebnisse hielten gleich mehrere Überraschungen bereit. So zeigt der rekonstruierte Stammbaum, dass die Süßwasserhaie offensichtlich nicht auf Süßwasserhabitate beschränkt sind, sondern regelmäßig große Strecken im offenen Ozean zurücklegen.

Die Ergebnisse zeigen auch, dass mehrere beschriebene Arten zur gleichen biologischen Art gehören. Gleichzeitig entdeckten die Wissenschaftler anhand der Sequenzen auch eine bisher noch unbeschriebene Art. Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, wie wenig nach wie vor über viele Haiarten bekannt ist.

Keine Spezialisten, aber häufige Gäste

Damit bleiben Süßwasserstechrochen die einzigen echten Süßwasserspezialisten unter den Knorpelfischen. "Zu Gast" – auch langfristig – sind Haie aber immer wieder in Flüssen und sogar Seen. Insbesondere der drei Meter lange Bullenhai kann auf allen Kontinenten tropischer und subtropischer Breiten weit ins Landesinnere vordringen. (red, 18. 10. 2015)

Share if you care.