Die gar nicht künstlichen Renditen des Herrn Keynes

16. Oktober 2015, 09:48
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Die Sammlung des Ökonomen John Maynard Keynes erzielte knapp zehn Prozent Rendite im Jahr

Wien – Cézanne, Matisse, Picasso. Diese klingenden Künstlernamen erfreuen nicht nur Liebhaber der Malerei, sondern auch Investoren. Unter ihnen befand sich ein gewisser John Maynard Keynes. Der wohl vielleicht einflussreichste Ökonom des letzten Jahrhunderts war nicht nur ein erfolgreicher Kapitalanleger und Schatzmeister des renommierten King's College in Cambridge, sondern auch ein eifriger Kunstsammler.

Forscher haben sich jetzt mit den von Keynes erworbenen Schätzen beschäftigt und die Performance berechnet. Die kann sich sehen lassen: Knapp zehn Prozent beträgt die jährliche Wertsteigerung. Das hängt natürlich mit den günstigen Einstiegspreisen zusammen. Cézannes Stillleben mit Äpfeln beispielsweise erwarb Keynes im Jahr 1918 um 448,7 Pfund – ein Jahr später publizierte er das Werk Ökonomische Konsequenzen des Friedens. Die Kaufpreise haben die Forscher aus Keynes' Nachlass herausgefiltert, den das King's College sein Eigen nennt. Zudem halfen mehrere Schätzungen für Versicherungen der Sammlung bei der Arbeit. Zur Ermittlung des Werts der Bilder im Jahr 2013 beauftragten die Wissenschafter mehrere anerkannte Kunstexperten. Die Investments, für die der Wirtschaftsforscher zeit seines Lebens ganze 13.000 Pfund springen ließ, zahlten sich aus. Sie kommen heute auf einen Marktwert von 70,8 Millionen Pfund, wie die Studienautoren David Chambers, Elroy Dimson und Christophe Spaenjers in ihrer Untersuchung schreiben, die im Social Science Research Network erschienen ist. In Summe erstand Keynes von 1917 bis 1945 135 Werke. Das Geld dafür hatte der Brite zu einem guten Teil mit Aktienspekulationen verdient.

Günstig bekommen

Hätte der Ökonom Aktien statt Gemälde gekauft, wäre die Performance nur geringfügig höher gewesen – und das auch nur wegen des massiven Anstiegs der Wertpapierkurse in den letzten 25 Jahren. Allerdings ist das Gros der Bilder nicht allzu viel wert – allein zwei Gemälde zeichnen für mehr als die Hälfte der 70 Millionen Pfund verantwortlich.

Keynes dürfte die Werke nicht nur wegen seines Interesses für Kunst günstig bekommen haben, er pflegte auch enge Kontakte mit den Künstlern. Zu seinem Umfeld zählten Bell, Coxon, Davidson, Derain, Dobson, Fry, Grant, Hitchens, Picasso, Pitchforth, Porter, Roberts und Sickert, wie in der Untersuchung ausgeführt wird. Gepflegt wurden die Beziehungen bei Partys und anderen gesellschaftlichen Events. Weniger Rendite erzielten jene Gemälde, die von eher unbekannten Künstlern aus dem engeren Freundeskreis des Ökonomen stammten.

Sein Geschick bei der Veranlagung ist legendär. So nahm Keynes 1918 – noch während des Kriegs – an einer Auktion aus Kunstwerken der Sammlung von Edgar Degas in Paris teil. Wegen dröhnenden Kanonenfeuers brachten sich die meisten Kunstinvestoren in Sicherheit, die Preise purzelten mangels Nachfrage. Der Brite blieb – und schlug zu. Trotz des glücklichen Händchens hatte Keynes auch Misserfolge. Investments in den 20er-Jahren, denen gesamtwirtschaftliche Prognosen zugrunde lagen, floppten. (as, 16.10.2015)

  • So geschickt wie Sammy der Hund beim Pinselschwingen war Ökonom Kaynes beim Kunsterwerb.
    foto: ap/gunby

    So geschickt wie Sammy der Hund beim Pinselschwingen war Ökonom Kaynes beim Kunsterwerb.

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