Wegbereiterinnen und Pionierinnen der Psychoanalyse

14. Oktober 2015, 15:07
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Ausstellung "Das ist das starke Geschlecht" ab 16. Oktober im Freud Museum

Wien – Einen "neuen Blick auf die Entstehung der Psychoanalyse" wirft man ab dem 16. Oktober im Wiener Sigmund Freud Museum mit der Sonderausstellung "'Das ist das starke Geschlecht.' Frauen in der Psychoanalyse". Anhand von sechs Frauen – von Lou Andreas-Salome über Helene Deutsch bis Anna Freud – werden der Weg von der Patientin zur Analytikerin nachvollzogen und gegenseitige Einflüsse aufgearbeitet.

In drei Räumen des Freud Museums hat Direktorin Monika Pessler gemeinsam mit den Kuratorinnen Daniela Finzi und Johanna Frei eine Schau konzipiert, die mithilfe von Paravents, auf und hinter denen Schlaglichter auf die Biografien der Frauen geworfen werden, verschiedene Aspekte der Psychoanalyse beleuchtet. Diese frei im Raum stehenden "Möbelstücke", wie sie von den Kuratorinnen genannt werden, verändern den Blick des Besuchers durch semitransparente und spiegelnde Elemente und brechen die scheinbar sichtgeschützten Zonen auf.

Von Anna Eckstein bis Helene Deutsch

Der Ausstellungstitel geht auf Anna Eckstein zurück, die Sigmund Freud einst mit der ironischen Anspielung "Das ist das starke Geschlecht" begrüßt haben soll. Eckstein wirkte nach Abschluss ihrer Analyse bei Freud als erste weibliche Psychoanalytikerin. In der Ausstellung findet sich u.a. ein Artikel aus der "Arbeiterzeitung", in dem Eckstein am 21. Oktober 1900 Freuds "Traumdeutung" rezensierte und dem Werk somit zu größerer Verbreitung verhalf. Von Eckstein, die sich auch im "Wiener Frauenklub" engagierte, stammt das Werk "Die Sexualfrage im Leben des Kindes". Die "Kinderanalyse als weibliche Domäne" beleuchtet die Ausstellung unter anderem mit Anna Freuds Untersuchungen in der ersten Wiener Kinderkrippe ("Jackson Krippe") oder Zeichnungen aus Analyse-Sitzungen mit einem jungen Burschen. Auch Anna Freuds Vorlesung "Die Bedeutung der Kinderanalyse" kann erstmalig nachgehört werden.

Von Marie Bonaparte stammen die damals unter Pseudonym veröffentlichten "Betrachtungen über die anatomischen Gründe der Frigidität von Frauen", für die sie mit über 200 Pariserinnen Gespräche führte und die Entfernung zwischen Klitoris und Vagina vermaß. "Im Unterschied zu Freud, der Sexualität auf einer psychischen Ebene verortete, versuchte Bonaparte in ihren Arbeiten, die psychoanalytische Lehre in eine biologische Triebtypologie zu überführen", heißt es dazu im Pressetext. Die Angst der Frauen vor ungewollten Schwangerschaften thematisiert man mit der Ausstellung eines "Resorbiteurs" – einer Art Verhütungsschwämmchen -, das zu Freuds Zeiten in einer Apotheke in der Berggasse verkauft wurde.

Auch Helene Deutsch, die als Pionierin der Psychoanalyse mit Schwerpunkt "Weiblichkeit" gilt und mit Werken wie "Psychoanalyse der weiblichen Sexualfunktionen" bekannt wurde, widmet man sich in der Ausstellung. Mit der Widersprüchlichkeit des Begehrens und destruktiven Komponenten der Sexualität setzte sich wiederum Sabina Spielrein auseinander, der David Cronenberg in seinem Film "Eine dunkle Begierde" ein Denkmal setzte. Zentral sind trotz der vereinzelten multimedialen Präsentation dennoch die zahlreichen Schriften der Frauen, in denen man im Rahmen einer "Living Library" auch blättern kann. (APA, 14. 10. 2015)


"'Das ist das starke Geschlecht'. Frauen in der Psychoanalyse" im Sigmund Freud Museum, 16. Oktober bis 12. Juni 2016. Eröffnung am 15. Oktober, 19 Uhr. Zur Ausstellung ist auch ein 50-seitiges Booklet erschienen.

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