OECD: Wohlstandsgefälle mindert Chancen von Kindern deutlich

14. Oktober 2015, 15:12
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Jugendliche aus armen Haushalten werden besonders häufig gemobbt – Nirgends so viele junge Raucher wie in Österreich

Wien – Soziale Ungleichheit setzt sich über Generationen fort. Das zeigt ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Ökonomische und gesellschaftliche Faktoren beeinflussen demnach die Lebenschancen von Kindern stark – auch in Industrieländern wie Österreich.

Eines von sieben Kindern in der OECD lebt in relativer Armut, jedes zehnte kommt aus einem Haushalt, in dem niemand einer bezahlten Arbeit nachgeht. Österreich schneidet hier zwar besser ab als der OECD-Schnitt, befindet sich jedoch nur im Mittelfeld. Insgesamt geht es österreichischen Kindern vergleichsweise etwas besser als im Durchschnitt der OECD-Länder. In die Spitzengruppe der im Bericht verglichenen Länder schafft es Österreich aber nicht bei allen Indikatoren.

Hierzulande leben dem Bericht zufolge mehr Kinder in Armut als noch vor ein paar Jahren: Die Rate ist von 7,3 Prozent im Jahr 2007 auf 9,1 Prozent 2011 gestiegen. Als arm definiert die OECD einen Haushalt, dessen verfügbares Einkommen bei weniger als 50 Prozent des Medians liegt. 8,4 Prozent der Unter-17-jährigen Österreicher leben in einem Haushalt, in dem kein Erwachsener einen Job hat. Bei Menschen mit Migrationshintergrund ist der Anteil mit 15,5 Prozent deutlich höher.

Ungleiche Chancen

Insgesamt belegt der Bericht: Kinder aus besser situierten Familien sind gesünder, können besser lesen, engagieren sich stärker gesellschaftlich und unterhalten bessere Beziehungen zu ihren Eltern und Altersgenossen als Kinder aus einfacheren Verhältnissen. Diese werden auch häufiger gemobbt. Insgesamt gebe es auffallende Ungleichheiten bei der Lebensqualität von Kindern, die mit dem sozioökonomischen Umfeld der Familien verknüpft sind, so der Bericht.

"Wächst die Ungleichheit der Eltern, dann schrumpfen damit auch die Möglichkeiten der Kinder", resümiert die OECD. "Der Kampf gegen Ungleichheit beginnt damit, sicherzustellen, dass jeder die Möglichkeit hat, sein Leben von früh an zu gestalten", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Vorstellung des Berichts in Mexiko.

Hohe Mobbing-Häufigkeit

Mobbing kommt dem Bericht zufolge nirgends so oft vor wie in Österreich und Estland. Ganze 17,5 Prozent der österreichischen 11-, 13- und 15-Jährigen gaben an, in den vergangenen zwei Monaten mindestens zweimal von Schulkameraden körperlich oder verbal angegriffen worden zu sein. Eklatant ist der Unterschied zwischen Arm und Reich: Ganze 21,8 Prozent der Jugendliche aus Familien mit niedrigem Einkommen sehen sich als Mobbingopfer, bei den Teenagern reicher Eltern waren es "nur" 14,3 Prozent. Der Schnitt von 26 OECD-Ländern lag bei 10,1 Prozent.

Um die Gesundheit der Teenager ist es in Österreich etwas besser bestellt als im Schnitt der OECD-Länder. 12,8 Prozent der Heranwachsenden betrachten ihren Gesundheitszustand hierzulande als mangelhaft, jene aus armen Familien häufiger (16,8 Prozent) als jene aus begütertem Elternhaus (9,2 Prozent). Der OECD-Durchschnitt liegt bei 13,6 Prozent.

Übergewicht und Armut hängen ebenso zusammen. 18,5 Prozent der österreichischen Jugendlichen aus schwachem sozioökonomischem Umfeld bringen laut OECD zu viel auf die Waage und 12,4 Prozent der Teenager aus reicher Familie.

Viele jugendliche Raucher

Bei der Raucherrate nimmt Österreich den unrühmlichen letzten Platz ein. Ganze 27,3 Prozent der 15-Jährigen gaben an, mindestens einmal pro Woche zur Zigarette zu greifen, in 26 verglichenen OECD-Ländern waren es durchschnittlich nur 16,4 Prozent. Puncto "Komatrinken" sind die österreichischen 13- und 15-Jährigen nicht recht viel ärger unterwegs als ihre Altersgenossen in anderen Industrieländern: 20,5 Prozent sagten, in ihrem Leben schon mindestens zweimal betrunken gewesen zu sein (OECD-Durchschnitt: 19 Prozent).

Dafür machen Österreichs Heranwachsende deutlich mehr Sport, sind etwas öfter sozial engagiert und können etwas leichter mit ihren Eltern reden als das im Durchschnitt der Fall ist. Der Druck aus der Schule dürfte übrigens nirgends so gering sein wie in Deutschland und Österreich. Während in der OECD 10,8 Prozent der Kinder über viel Druck aus der Schule klagen, sind es in Deutschland nur 3,9 und in Österreich vier Prozent. (APA, red, 14.10.2015)

  • Nicht nur beim Lesen, sondern auch bei anderen Kompetenzen schneiden Kinder aus wohlhabenden Familien deutlich besser ab als solche aus einfacheren Verhältnissen.
    foto: epa keystone/della_valle

    Nicht nur beim Lesen, sondern auch bei anderen Kompetenzen schneiden Kinder aus wohlhabenden Familien deutlich besser ab als solche aus einfacheren Verhältnissen.

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