Drei ungewöhnliche Networking-Strategien

16. Oktober 2015, 07:46
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Worauf Netzwerker setzen können, um bei ihrem Gegenüber Eindruck zu hinterlassen. Plus: So funktioniert Online-Networking

Höchstes Prinzip beim Netzwerken ist eine gute Vorbereitung und ein selbstsicherer Auftritt, absolutes Must: unkonventionell sein. Michael Mayer, Österreich-Direktor von Business Network International (BNI) verrät Strategien, mit denen es gelingen soll, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Strategie 1: Gastgeber spielen

"Meistens tendiert man auf Networking-Treffen dazu, sich zum Buffet zu stellen oder zu Leuten, die man kennt." Das sei der völlig falsche Ansatz, sagt Mayer. Besser: "Als Gastgeber aufzutreten, auch wenn es nicht die eigene Veranstaltung ist." Das bedeute, "auf Leute zuzugehen, die ebenfalls suchend im Raum stehen und zu fragen: Wie kann ich Ihnen helfen?" oder "Guten Tag, freut mich, dass Sie da sind, ich bin Michael Mayer."

Das sei eine gute Möglichkeit, um mit Fremden ins Gespräch zu kommen, denn als Gastgeber werde man anders wahrgenommen. "Dafür muss man sicher aus der Komfortzone rausgehen, aber zumindest hat man eine Funktion. Und immer wenn man eine Funktion hat, die man sich auch selber gibt, fühlt man sich sicherer."

Strategie 2: Pitchen

Stellt man sich bei anderen vor, solle man nicht einfach sagen: "Guten Tag, ich bin BWL-Student" sondern bereits konkrete Ziele und Wünsche formulieren. Beispielsweise: "Guten Tag, ich studiere BWL und ich möchte einmal Vorstandsvorsitzender der Firma XY sein" oder "ins Marketing von YZ gehen und dort die Leitung übernehmen".

Die Formulierung derart zielsicherer Pläne leite garantiert ein längeres Gespräch ein. Mayer: "Was man die ersten sieben bis zehn Sekunden sagt, löst beim anderen ein 'Aha' aus und er fühlt sich im Idealfall zu einer Nachfrage veranlasst."

Strategie 3: Persönliche Fragen stellen

Wichtig sei im weiteren Gespräch, viele Fragen zu stellen anstatt selbst zu reden. Auch dabei gelte es, sich welche zu überlegen, die das Gegenüber überraschen, es idealerweise auch abholen und persönlich in das Gespräch verwickeln. "Denn CEOs führen jeden Tag oberflächlichen Smalltalk", sagt Mayer. Gute Fragen seien beispielsweise: "Würden Sie noch einmal den Beruf wählen?" Oder: "Mich würde interessieren, wie Sie es eigentlich in so kurzer Zeit so weit geschafft haben? Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?" Auch das Online-Portal karrierebibel.de rät zu solch ungewöhnlichen Fragen. Als Beispiel aufgelistet: "Wodurch lassen Sie sich inspirieren?"

Damit erzeuge man nicht nur den gewünschten Überraschungseffekt, sondern signalisiere auch Wertschätzung des Gegenübers, sagt Mayer: "Ziel des Netzwerkens ist nicht, sich zu verkaufen, sondern Kontakte zu knüpfen, eine Beziehung aufzubauen." (lib, 15.10.2015)

Tipps für das Online-Netzwerken:

1. Kontakt- oder Freundschaftsanfragen ohne eine begleitende Nachricht oder aussagekräftige Begründung sind unhöflich und werden oft abgelehnt.

2. Idealerweise folgen Sie neuen Kontaktpartnern eine Weile, beobachten deren Aktivitäten und treten zuerst durch Kommentare, Likes und ähnliches in Interaktion.

3. No Go: Mit der Tür ins Haus fallen. Gleich nach Unterstützung bei Ihrer Jobsuche zu fragen, führt vermutlich zu einem Fehlschlag. Aktuelle Artikel, Themen oder ein Projekt, mit dem Sie sich gerade beschäftigen, eignen sich für die Kontaktaufnahme hervorragend.

4. Facebook bietet die Möglichkeit, Profile zu abonnieren. Nutzen Sie diese Option, bevor Sie Freundschaftsanfragen verschicken.

5. Stellen Sie sich online nicht besser dar. Früher oder später werden Sie Ihre Gesprächspartner auf einem Event treffen.

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