Uni-Novelle bringt Mindestumfang der Studieneingangsphase

14. Oktober 2015, 13:49
79 Postings

Der Nationalrat hat eine Novelle des Universitätsgesetzes beschlossen – Die Zugangsbeschränkungen werden verlängert

Wien – Die Studieneingangsphase wird neu gestaltet und Nachwuchswissenschaftern die Karriere erleichtert. Die bisherigen Zugangsbeschränkungen an den Unis werden bis 2021 verlängert. Das bringt die Mittwoch im Nationalrat beschlossene Novelle des Universitätsgesetzes. FPÖ und Grüne waren dagegen, weil sie die verlängerten Zugangsbeschränkungen ablehnen. Bei den Neos wurde Claudia Gamon als neue Abgeordnete angelobt, sie übernimmt das Amt der Wissenschaftssprecherin.

Die für Studenten spürbarste Neuerung gibt es bei der Studieneingangs- und Orientierungsphase (Steop): Derzeit gibt es diese nur in Studien ohne Aufnahmeprüfung. Künftig soll sie auf alle wissenschaftlichen Universitäten sowie gemeinsam von Kunst- und wissenschaftlichen Unis angebotene Studien ausgeweitet werden. Anders als noch im Begutachtungsentwurf sollen künftig aber Ausnahmen für Medizin, Veterinärmedizin und Psychologie möglich sein.

Mindestumfang der Steop

Die Steop soll einen Überblick über Inhalt und Ausrichtung des jeweiligen Studiums liefern. Nur wer alle Prüfungen der Eingangsphase besteht, darf weiterstudieren. Bisher war der Umfang der Steop aber nicht geregelt – je nach Uni umfasste sie einen bis zu 30 ECTS-Punkte (30 ECTS entspricht etwa dem vorgesehenen Lernaufwand eines Semesters). Künftig gibt es einen Mindestumfang von acht und eine Höchstgrenze von 20 ECTS-Punkten für die im ersten Semester stattfindende Eingangsphase. Außerdem wird festgelegt, dass die Steop mehrere Lehrveranstaltungen umfassen muss – bisher war auch nur eine erlaubt.

Mitterlehner: "Gelungener Balanceakt"

Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) stellte nicht in Abrede, dass es sehr unterschiedlichen Positionen in diesem Bereich gibt: Aber genau diese würden zu einem solch "gelungenen Balanceakt" wie der Novelle führen – mit ausgewogener Berücksichtigung der Autonomie der Unis sowie der Tatsache, dass der Staat eine "bestimmte Steuerung" brauche, weil er nicht beliebige Mittel habe, um allen ihr Wunschstudium finanzieren zu können. In Summe werde die Qualität der Lehre verbessert, die Relation zwischen Betreuenden und Betreuten in engere Bahnen gebracht und dem Nachwuchs die Karriere an der eigenen Uni erleichtert.

Kritik von FPÖ und Grünen

Die FPÖ sah das anders: Die Novelle bringe "nicht viel" und sei "nicht nötig", befand Axel Kassegger. Die Studieneingangsphase sei sowieso ein unflexibles Instrument, das nur Studien verzögere – und die Zugangsbeschränkungen "lehnen wir grundsätzlich ab". Dies tat auch die Grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer: Die gezogenen Grenzen seien willkürlich, viele Studenten würden vom Wunschstudium abgeschreckt – obwohl die Akademikerquote in Österreich im internationalen Vergleich extrem gering sei.

Töchterle: "Mangelndes Interesse"

Dass sich nach der Budgetrede und damit zu Beginn der Debatte zu Universitätsgesetz der Saal schlagartig leerte, ließ Ex-Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) das selbst im Nationalrat "mangelnde Interesse" am Thema bedauern. Dabei bringe das Gesetz wichtige Neuerungen, etwa bessere Perspektiven für junge Wissenschafter an der eigenen Uni. Auch SPÖ-Wissenschaftsministerin Andrea Kuntzl konnte sich über die Novelle freuen. Denn sie bringe "keine neuen Hürden", die Zugangsregelungen blieben weiter beschränkt und befristet – und die Rahmenbedingungen für die Aufnahmeverfahren würden verbessert.

Neue Neos-Wissenschaftssprecherin

Nikolaus Scherak hielt als Neos-Wissenschaftssprecher seine Abschieds- und kurz darauf Gamon ihre Antrittsrede. Sie übernimmt das Amt. –Gamon hat das freigewordene Mandat von Beate Meinl-Reisingers übernommen, die in den Wiener Gemeinderat einzieht. Scherak machte "ideologische Grabenkämpfe" als Grund dafür aus, dass im Wissenschaftsbereich keine großen Schritte gelängen. Die Regierung weigere sich, einen großen Reformwurf zu machen, formulierte es Gamon etwas angriffiger. Die 26-Jährige will im Nationalrat dafür sorgen, "dass die Jungen in Österreich selber laut werden und dafür kämpfen, dass das Land generationengerecht wird".(APA, 14.10.2015)

  • Die neue Neos-Abgeordnete Claudia Gamon wird Wissenschaftssprecherin.
    foto: apa/robert jäger

    Die neue Neos-Abgeordnete Claudia Gamon wird Wissenschaftssprecherin.

Share if you care.