"Der niederländische Fußball ist eingestürzt"

14. Oktober 2015, 12:07
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Für das EM-Aus setzt es in der niederländischen Presse Kritik, Spott und Wut. "De Volkskrant" sieht die "definitive Demaskierung der niederländischen Elf". Trainer Danny Blind will nicht zurücktreten

Köln – Oranje trägt nach dem Super-GAU Trauer. Der WM-Dritte ist erstmals seit 1984 in der EM-Quali gescheitert – und das trotz der Aufstockung auf 24 Teams. Entsprechend böse fielen die Kommentare der niederländischen Presse aus.

"In der Arena vollzog sich die definitive Demaskierung der niederländischen Elf, als eine bittere Parodie auf Spitzenfußball, eine mitleiderregende Sportmannschaft, die auf einem Endturnier nichts zu suchen hat. Die niederländische Elf anno 2015 scheint ein steuerloses Boot zu sein. Es hat an allem gefehlt", schrieb "De Volkskrant" und "De Telegraaf" titelte: "Der niederländische Fußball ist eingestürzt. Demaskiert, wirklich skandalös. Sprachlosigkeit. Eine enorme Blamage für Oranje."

Nach der fünften Niederlage der Elftal im zehnten Qualifikationsspiel flüchtete sich Trainer Danny Blind in Durchhalteparolen. "Wir müssen diese Pleite so schnell wie möglich abhaken und uns auf die WM-Qualifikation konzentrieren", sagte der Coach, der dennoch weiter fest im Sattel sitzt.

Wehklagen

Nach der neuerlichen Blamage wiederholte Bert van Oostveen, Direktor des niederländischen Fußballverbandes KNVB, sein Treuebekenntnis zu Blind, dessen Vertrag bis 2018 läuft: "Wir machen gemeinsam weiter. Man sollte nicht weglaufen, sondern stehen bleiben. Das macht der KNVB, und das macht Danny Blind."

Blind, der erst im Sommer das Amt von Guus Hiddink übernommen hatte uns drei der letzten vier Quali-Partien verloren hat, denkt ebenfalls nicht an einen Rücktritt: "Ich habe nicht die Absicht, zurückzutreten. Ich werde weitermachen mit meiner Arbeit, denn ich stehe bis 2018 unter Vertrag, und ich glaube an dieses Team." Der 54 Jahre alte Bondscoach wollte von eigenen Fehlern nichts wissen, beklagte stattdessen das Verletzungspech. "Wir sind nicht Spanien oder Deutschland, wir sind die Niederlande und hier sind Spieler wie ein Arjen Roben nicht so leicht zu ersetzen."

Das war für Jan-Klaas Huntelaar aber keine Entschuldigung, zumal sein Team nach der roten Karte gegen Tschechiens Marek Suchy (43.) fast 50 Minuten in Überzahl spielte. "Man kann das Glück auch erzwingen, aber das haben wir nicht gemacht. Alles in allem hat die Qualität gefehlt", bilanzierte der maßlos enttäuschte Stürmer. (sid, red, 14.10.2015)

Die Pressestimmen

"De Volkskrant": "Mitleiderregendes Oranje kann die EM definitiv vergessen. In der Arena vollzog sich die definitive Demaskierung der niederländischen Elf, als eine bittere Parodie auf Spitzenfußball, eine mitleiderregende Sportmannschaft, die auf einem Endturnier nichts zu suchen hat. Die niederländische Elf anno 2015 scheint ein steuerloses Boot zu sein. Es hat an allem gefehlt."

"De Telegraaf": "Der niederländische Fußball ist eingestürzt. Demaskiert, wirklich skandalös. Sprachlosigkeit. Eine enorme Blamage für Oranje."

"Trouw": "Oranje verpasst EM nach einer riesigen Blamage. Mit Schamröte im Gesicht hat die niederländische Elf am Dienstagabend stilgerecht von einer vollkommen missglückten EM-Qualifikation Abschied genommen. Oranje hat sich in der Arena gegen Tschechien lächerlich gemacht und fehlt im kommenden Sommer erstmals seit 1984 bei einer europäischen Endrunde. Der niederländische Klubfußball kassiert schon seit Jahren Schlag auf Schlag. Nun kann sich auch die Nationalmannschaft nicht mehr der sportlichen Malaise entziehen. Es stellt sich die Frage, wie der nationale Fußball wieder nach oben kommen kann."

"AD": "Was für ein Abgang! Von Anfang an Chaos bei Oranje. In der EM-Qualifikation der Elftal lief alles verkehrt. Während beinahe halb Europa in Frankreich um den Titel spielt, bleibt die Nummer drei der letzten Weltmeisterschaft zu Hause."

  • Es ist Zeit, nach Hause zu gehen.
    foto: epa/waal

    Es ist Zeit, nach Hause zu gehen.

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