FPÖ und unliebsame Journalisten: "Keine Pflicht, jemanden einzuladen"

14. Oktober 2015, 11:44
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Neben "Falter"-Journalistin Nina Horaczek ist auch "profil"-Journalistin Christa Zöchling nicht willkommen

Wien – Für FPÖ-Pressesprecher Martin Glier ist der Vorwurf, dass die FPÖ mit ihren selektiven Akkreditierungen von Medienvertretern die Pressefreiheit torpediere, einfach nur "lächerlich". "Wir üben ja keine Zensur aus und verbieten ihnen über unsere Veranstaltung zu schreiben", sagt Glier zum STANDARD. Für die FPÖ-Wahlparty seien insgesamt 70 Journalisten akkreditiert worden. Mit zwei Ausnahmen: Nina Horaczek vom "Falter" und Christa Zöchling von "profil".

Hintergrund der Debatte ist, dass "Falter"-Journalistin Nina Horaczek nach der Wien-Wahl der Zutritt zur FPÖ-Wahlfeier verweigert wurde – der STANDARD berichtete. Ein Security-Mitarbeiter habe sie am Eingang abgewiesen – nach einem Blick auf sein Handy, sagte Horaczek. Bereits am Dienstag wetterte FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl in einer Aussendung gegen das "Opfer" Horaczek. Und: "Ich kenne zudem keine gesetzliche Grundlage, die uns verpflichtet, Frau Horaczek zu unserer Wahlfeier zuzulassen." Am Mittwoch legte Parteichef Heinz-Christian Strache auf Facebook nach: "Wer bei uns und mit uns in einem geschlossenen Veranstaltungsrahmen feiert, suchen wir uns schon noch selber aus. Dies ist die Freiheit des Veranstalters!"

Dass Security-Mitarbeiter mit Fotos von unliebsamen Medienvertretern ausgestattet werden, um ihnen dann den Einlass verweigern zu können, wollte Glier nicht bestätigen. Horaczek setzt sich seit vielen Jahren kritisch mit der FPÖ auseinander. Sie ist Autorin des Buches "HC Strache. Sein Aufstieg. Seine Hintermänner. Seine Feinde".

FPÖ: Keine "schwarze Liste"

Eine Art "schwarze Liste" mit Journalisten, die nicht zu FPÖ-Veranstaltungen dürfen, gebe es nicht, behauptet Glier, denn: "Liste wäre zu lange." Namen möchte er keine nennen, nur: Neben Horaczek ist auch "profil"-Journalistin Christa Zöchling nicht erwünscht. Sie hat am Sonntag im Gegensatz zu anderen "profil"-Redakteuren keine Akkreditierung für das FPÖ-Zelt erhalten. Glier begründet die Entscheidung mit einem Artikel Zöchlings über die FPÖ vom September. "Wir wollten ihr den Anblick von Leuten ersparen, von denen sie sich abgestoßen fühlt", sagt Glier. Es gebe einen Unterschied zwischen "kritischer und gehässiger Berichterstattung." Und jene Zöchlings sei eindeutig gehässig.

Zöchling hatte – wie berichtet – über eine FPÖ-Wahlkampfveranstaltung mit Parteichef Heinz-Christian Strache geschrieben: "Es ist zum Heulen: die Menschen, die ihm zukreischen und wie sie aussehen. Es sind die hässlichsten Menschen Wiens, ungestalte, unförmige Leiber, strohige, stumpfe Haare, ohne Schnitt, ungepflegt, Glitzer-T-Shirts, die spannen, Trainingshosen, Leggins. Pickelhaut. Schlechte Zähne, ausgeleierte Schuhe. Die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten sind ein schönerer Menschenschlag. Und jünger. Und irgendwie schwant ihnen das, den abgearbeiteten, älteren Österreichern. Und sie werden sehr böse und würden die Flüchtlinge gern übers Meer zurückjagen. Aber das kann man ja nicht laut sagen. Sagen sie."

Die FPÖ hatte eine Beschwerde beim Presserat eingelegt. (omark, 14.10.2015)

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