Hetze gegen Flüchtlinge: Mehr Arbeit für deutsche Behörden

14. Oktober 2015, 09:17
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Steigerung im Vergleich zum Vorjahr – Polizei rät zu Anzeigen von Hasskommentaren im Netz

Hasskommentare gegen Flüchtlinge in sozialen Netzwerken vergiften nicht nur das gesellschaftliche Klima, sondern führen auch zu wahrnehmbarer Mehrarbeit für die Behörden. Das legen Informationen des Landeskriminalamtes Magdeburg für das deutsche Bundesland Sachsen-Anhalt nahe.

Steigerung

280 Fälle von Beleidigung, Bedrohung oder Volksverhetzung registrierte man dort im ersten Halbjahr 2015. Eine spürbare Steigerung zum Vorjahr (genaue Zahlen wurden zu 2014 nicht genannt), die vor allem im Bezug zum Flüchtlingsthema steht. Seit dem Beginn der Debatte registriere man in dem Kontext generell mehr Straftaten, eine Entwicklung die sich auch im Netz abbilde, zitiert Heise.

Allerdings weist man auch darauf hin, dass auch andere, jedoch weniger dauerhafte, Ereignisse in der Regel zu mehr verbaler Gewalt auf Facebook und Co. führen, etwa wenn sich die Bombardierung Magdeburgs durch britische Luftstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg jährt oder größere, politische Demonstrationen anstehen.

Laut Tagesspiegel ist die Anzahl rechter Straftaten in ganz Deutschland deutlich angestiegen. 8.111 wurden von Januar bis August registriert, im Vorjahr waren es noch 6.945. In den vergangenen Monaten machten zahlreiche Brandanschläge auf Flüchtlingsheime Schlagzeilen.

400 Hass-Mails an SPD-Politiker

Auch Politiker sehen sich hasserfüllten Nachrichten ausgesetzt. Karamba Diaby von der SPD, der ursprünglich aus dem Senegal stammt, erhielt nach eigenen Angaben 400 wütende E-Mails, nachdem er einen Kommentar in einer Zeitung verfasst hatte.

Das LKA rät, verhetzende Kommentare zur Anzeige zu bringen. Wichtig sei es dabei, Screenshots zu erstellen und den Zeitpunkt des jeweiligen Eintrags nachvollziehbar zu machen.

Gegenmaßnahmen

Neben einer Anzeige gibt es zudem auch Empfehlungen zum Umgang mit Hasskommentaren. So empfehlen verschiedene Experten, diese Postings nicht nur zu melden, sondern auch aktiv Stellung dagegen zu beziehen. Dies erleichtere auch anderen Menschen, die die eigene Einstellung teilen, am Diskurs teilzunehmen, da für sie sichtbar wird, dass sie nicht allein auf weiter Flur stehen.

Verschiedene Initiativen, etwa "Perlen aus Freital" oder "Eau de Strache", versuchen es mit Offenlegung und dokumentieren die schlimmsten Einträge. Gleichzeitig ist der Druck auf das soziale Netzwerk Facebook gewachsen, strenger gegen Hasspostings einzugreifen.

Dauerthema

In Österreich beschäftigt das Thema "Hetze im Netz" Öffentlichkeit, Medien und Behörden im Kontext der Flüchtlingssituation ebenfalls stärker. Ein Lehrling des Autoherstellers Porsche musste seinen Arbeitsplatz räumen, nachdem er sich den Einsatz eines Flammenwerfers gegen ein Flüchtlingskind gewünscht hatte.

FPÖ-Politiker, darunter auch Parteichef Heinz-Christian Strache, fielen durch die Weiterverbreitung von Schockmeldungen wie der Plünderung von Supermärkten auf, die sich als unwahr entpuppten. Und regelmäßig kursieren Fakes, die es zum Ziel haben, Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. (gpi, 14.10.2015)

  • Verhetzende Kommentare auf Facebook und Co erhöhen das Arbeitsaufkommen für die deutschen Behörden.
    foto: cc0/public domain

    Verhetzende Kommentare auf Facebook und Co erhöhen das Arbeitsaufkommen für die deutschen Behörden.

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