Das Pflänzchen ist ein Baum geworden

13. Oktober 2015, 17:41
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Teamchef Koller lässt sich mit anstehenden Vertragsverhandlungen Zeit

Wien – Marcel Koller ist noch bei Dunkelheit von den Feierlichkeiten heimgekehrt. Am Dienstag um 13.30 Uhr war er jedenfalls voll ansprechbar, er würde es "fokussiert" nennen. Der Teamchef ließ die "unglaubliche Qualifikation" für die EM 2016 Revue passieren, entschuldigte sich, "dass ich keine Zeit hatte, mir das 3:0 gegen Liechtenstein auf Video anzuschauen", was völlig wurscht war, es war ja nur eine Bagatelle.

Zum Prinzipiellen: "Wir haben ein geiles Team, das nicht nur sehr gut Fußball spielen, sondern auch sehr gut feiern kann." Schafft man 28 von 30 möglichen Punkten, "hat das einen hohen Stellenwert. Wir haben uns nicht durchgewurstelt, sondern sind überzeugend aufgetreten. Wir haben Aufsehen erregt. Europa sagt: 'Hoppla, da ist etwas gewachsen.'"

Um diesen Wachstumsprozess ist es Koller in den vier Jahren seiner Tätigkeit gegangen. "Er ist nie abgeschlossen, obwohl die Luft ganz oben dünner wird. Ich bin von der Entwicklung nicht überrascht, es hätte sogar schneller gehen können." Langfristig gesehen, werden einige Spieler wegfallen. "Es geht dann darum, ob man sie ersetzen kann."

Koller wird in den nächsten Wochen und Monaten mit Fragen nach der Vertragsverlängerung gequält werden. Der Schweizer lässt sich nicht hetzen. "Ich habe keine Eile, mein Vertrag läuft noch zehn Monate." Dass der 54-Jährige in Österreich zum Volkshelden erkoren wurde, tangiert ihn am Rande. "Ich bin nicht der Typ dafür. Aber ich freue mich für die Fans. Für mich ist die Arbeit wichtig, ich bin hungrig." Koller wird den Weg weitergehen, zumindest bis nach der Endrunde, die am 10. Juni in Paris beginnt. Neuerungen wird es kaum geben, es wäre absurd, Funktionierendes zu ändern. "Unser Ziel muss es sein, diesen Level zu halten. Man würde mit anderen taktischen Systemen nur für Verunsicherung sorgen."

Drei Dauerbrenner

Koller hat in der Quali nur 20 Spieler eingesetzt, Robert Almer, Florian Klein und Christian Fuchs waren stets, also zehnmal von Anpfiff bis Abpfiff, dabei. Marc Janko, mit sieben Toren bester Schütze, wurde neunmal aufgestellt und ausgetauscht. Eine Einzelkritik sparte sich Koller. "Es geht um die Mannschaftsleistung", wobei die zentrale Achse, beginnend bei Goalie Almer über Aleksandar Dragovic, Julian Baumgartlinger, Zlatko Junuzovic bis hin zu Stoßstürmer Janko, eine wesentliche Rolle innehatte und innehat. "Der Stamm ist wichtig. Denn das Tor steht in der Mitte. Aber wir sind auch an den Seiten hervorragend besetzt." Ad Marko Arnautovic: "Er hat aufgezeigt. Stoke soll nicht die Endstation sein." Über Weltklassemann David Alaba, der gegen Russland beide Male fehlte, sagte er: "Natürlich wäre mir lieber, würde er auch bei den Bayern im Mittelfeld eingesetzt."

Am 17. November wird in Wien gegen die Schweiz geprobt, am Dienstag wurde der Vorverkauf gestartet, binnen zweieinhalb Stunden waren 10.000 Karten weg. Ende März werden zwei Spiele bestritten, die intensive Vorbereitung startet Ende Mai (zwei Tests). Am 5. Juni wird nach Frankreich geflogen. Ob es freie Plätze im 23-Mann-Kader gibt, lässt Koller offen. "Ein Neuer muss wirklich sehr auffällig sein "

Janko sagte noch: "Wir sind froh, dass wir dieses Pflänzchen zum Wachsen gebracht haben. Und es soll noch größer werden." (Christian Hackl, 13.10.2015)

  • Marcel Koller ist Trainer der Nummer zehn im Weltfußball.
    foto: apa/pfarrhofer

    Marcel Koller ist Trainer der Nummer zehn im Weltfußball.

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