Zwei Aufmüpfige und ein zehntes Mandat

13. Oktober 2015, 18:00
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Zwei Stimmen gegen Maria Vassilakou bei Vertrauensvotum sollen aus hinteren Reihen der Grünen stammen – Listen-Zehnter Martin Margulies fix im Gemeinderat

Wien – Wer gegen sie gestimmt habe, wisse sie nicht, sagte die Chefin der Wiener Grünen, Maria Vassilakou, am Dienstag dem STANDARD. In der Landeskonferenz ihrer Partei hatte sie Montagabend die Vertrauensfrage gestellt und war mit 25 Pro-Stimmen in ihren Funktionen bestätigt worden. Zwei Anwesende stimmten gegen den Verbleib der Stadträtin und Vizebürgermeisterin.

Dass es überhaupt diese Abstimmung brauchte, hat mit Vassilakous Ankündigung von August zu tun – zurückzutreten, wenn die Grünen heuer ein schlechteres Ergebnis erzielen als bei der Wien-Wahl 2010. "G'scheit war die Aktion nicht", sagte Vassilakou am Dienstag weiter dem STANDARD dazu. Um ihre Glaubwürdigkeit fürchte sie aber nicht. Sie habe dort, "wo man so etwas tut" – in den Parteigremien -, ja ihren Rücktritt angeboten.

"Positive Stimmung"

Aus Kreisen der Landeskonferenz hört man, dass die ablehnenden Stimmen hinteren Reihen der Partei zuzuordnen seien. Doch Bezirksdelegierte des Gremiums berichten durchaus von "sehr positiver" Stimmung bei der Sitzung. Ein Delegierter meint, die Gegenstimmen bei dem offenen Votum seien wohl nur erfolgt, da Einzelnen daran gelegen sei, als Partei kein zu einheitliches Bild abzugeben.

In absoluten Zahlen zugelegt

Am Wahlabend hatte Vassilakou ihren Sager vom Sommer nachträglich präzisiert: Sie werde einer neuen Generation Platz machen, sollten die Grünen bei der Wahl heuer weniger Stimmen erhalten haben als vor fünf Jahren, als rund 95.000 Personen bei ihnen ihr Kreuzerl machten. Seit Bekanntwerden des Endergebnisses Montagnacht ist klar, dass die Grünen trotz minus 0,8 Prozent und des Verlusts eines Mandats in absoluten Zahlen mehr Stimmen bekamen: nämlich genau 98.626.

Von elfter Stelle noch Chancen

Mit den Briefwahlstimmen kommen die Grünen auf zehn Mandate. Budget-Sprecher Martin Margulies ist daher fix im Gemeinderat. Die direkt hinter ihm auf der Landesliste an elfter Stelle platzierte Integrations-Referentin Faika El-Nagashi könnte (für sie erstmalig) in den Gemeinderat nachrücken, wenn die Grünen erneut in die Regierung kommen und Vassilakou eine Regierungsfunktion übernimmt. Für diesen Fall hat diese angekündigt, ihr Gemeinderatsmandat abzugeben.

Daniel Landau nicht dabei

Auf der Homepage der Grünen Wien wird El-Nagashi bereits als Mitglied des "Neuen Teams für Wien" präsentiert, an dessen Zusammensetzung die Vorzugsstimmen nichts mehr geändert haben. Definitiv keinen Sitz erhielt Daniel Landau, der Bildungsexperte war auf Platz 14 der Landesliste angetreten. (mte, ook, spri, 14.10.2015)

  • Maria Vassilakou erhielt bei der Wahlfeier am Sonntag Applaus, und als sie Montagabend der Landeskonferenz der Grünen die Vertrauensfrage stellte, stärkten ihr fast alle Delegierten den Rücken.
    foto: apa/harald schneider

    Maria Vassilakou erhielt bei der Wahlfeier am Sonntag Applaus, und als sie Montagabend der Landeskonferenz der Grünen die Vertrauensfrage stellte, stärkten ihr fast alle Delegierten den Rücken.

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