Eine Frage des Timings

13. Oktober 2015, 17:26
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Caroline Wozniacki saß 67 Wochen lang auf dem Tennisthron, holte aber keinen Grand-Slam-Titel. Diesen Makel will sie beseitigen – vielleicht 2016. Aktuell spielt sie in Linz. Die Dänin fühlt sich wohl, mag den Belag, kann auf irdische Fähigkeiten bauen

Linz – Caroline Wozniacki hat das Lichtschwert wieder gegen den Tennisschläger getauscht. Die Players Party am Montag hatte das Motto "Star Games" – in Anlehnung an Star Wars. Eigentlich ist die Dänin ja des Tennisspielens wegen nach Linz gekommen. "Ich bin gut angekommen und glücklich hier zu sein", sagt sie – unbewaffnet, am Dienstag.

Erstmals spielt die Dänin beim Generali Ladies in Linz. Das Turnier hat heuer seine 25. Auflage. Ein Star zum Jubiläum, das darf sein. Wozniacki ist wer auf der Tennistour. Und sie hat schon viel erlebt. Einen rasanten Aufstieg, bittere Niederlagen, die Konsolidierung in der Weltspitze. Vor zehn Jahren debütierte sie 15-jährig auf der Tour, 2008 holte sie 18-jährig ihren ersten von bis dato 23 Turniersiegen. Jetzt ist sie 25, Weltranglisten-Elfte. Das war schon schlechter, aber auch schon besser.

Branchenleaderin mit 20

Vor fünf Jahren übernahm sie die Top-Position im Ranking, hatte sie insgesamt 67 Wochen inne. Das ist insofern bemerkenswert, als sie dies ohne einen Titel bei einem Grand-Slam-Turnier schaffte. Wozniacki hatte die Punkte nicht gestohlen, sie stand zu Recht vorn. Trotzdem wurde immer wieder hinterfragt, ob die Dänin mit polnischen Wurzeln eine würdige Nummer eins sei.

Diese Fragerei hat aufgehört. Aber der Major-Sieg fehlt immer noch. Zweimal stand sie in einem Endspiel – 2009 und 2014 jeweils bei den US Open. Diese Fragerei hat also doch nicht aufgehört. Linz macht da keine Ausnahme. "Oh, das habe ich noch nie zuvor gehört", sagt Wozniacki. Die Frau hat Humor. Ob sie jetzt weiter von einem Grand-Slam-Titel entfernt sei als vor vier, fünf Jahren? "Ich bin eine der Top-Spielerinnen", sagt Wozniacki. Die Frage fand sie nicht lustig. Es gehe um das Timing, darum, zur richtigen Zeit gut zu spielen. Und außerdem: "Wenn ich denken würde, ich hätte keine Chance, würde ich nicht Tennis spielen."

Segen der Langsamkeit

In Linz hat sie eine gute Chance, das Turnier zu gewinnen. Sie ist nicht topgesetzt. Das war die Tschechin Lucie Safarova, Weltranglisten-Siebente, die sich bereits in Runde eins gegen die Rumänin Andreea Mitu mit einer 3:6, 4:6-Niederlage verabschiedete. Die Nummer zwei, Wozniacki, spielt ihr Auftaktmatch am Mittwoch. Die Kroatin Mirjana Lucic-Baroni wird sie eher nicht am Achtelfinaleinzug hindern. Auch der langsame Belag des Centre-Courts sagt ihr zu. "Der Platz fühlt sich gut an, vertraut."

Die Saison neigt sich dem Ende zu, es war nicht Wozniackis bestes Jahr. Ein Turniersieg (Kuala Lumpur) und bei den Major-Events ein Achtelfinale und dreimal Runde zwei. "Ich schaue nicht zurück", sagt sie. "Ich bin eine bessere Spielerin, als die Grand-Slam-Ergebnisse heuer aussagen." Aber noch ist das Jahr nicht vorbei. Wozniacki mag die Hallensaison in Europa. Allerdings nicht deren kurze Dauer. "Das ist schade."

Keine Chance mehr auf das WTA-Finale

Aber jetzt ist sie hier, in Linz. Sie fühlt sich wohl. "Ich freue mich darauf zu spielen. Darauf bin ich fokussiert, auf sonst nichts." Die Qualifikation für das WTA-Finale der acht Jahresbesten in Singapur (ab 25. Oktober) kann Wozniacki, die 14. des Jahresrankings, nicht mehr schaffen – auch nicht mit Lichtschwert.

Vielleicht geht 2016 Außerirdisches. "Ich freue mich auf nächstes Jahr mit fünf großen Events." Die Olympischen Spiele und die vier Grand-Slam-Turniere. Vier neue Chancen. Vielleicht passt das Timing einmal perfekt. (Birgit Riezinger, 13.10.2015)

  • Caroline Wozniacki hatte schon erfolgreichere Jahre als 2015. Aber die Dänin schaut nicht zurück. In Linz hätte sie nichts gegen den Titel.
    foto: ap/fuller

    Caroline Wozniacki hatte schon erfolgreichere Jahre als 2015. Aber die Dänin schaut nicht zurück. In Linz hätte sie nichts gegen den Titel.

  • Wozniacki mit Lichtschwert und Kopfschmuck bei der Players Party.
    foto: dr. roland pelzl / cityfoto.at

    Wozniacki mit Lichtschwert und Kopfschmuck bei der Players Party.

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