Große Dinosaurier waren ziemlich heißblütig

13. Oktober 2015, 18:28
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Analysen fossiler Sauriereier legen nahe, dass die ausgestorbenen Reptilien ihre Körpertemperatur aktiv regeln konnten

Mainz/Wien – Die meisten heute lebenden Tiere sind wechselwarm, Reptilien ebenso wie Amphibien oder Fische. Sprich: Ihre Körpertemperatur hängt von der Umgebungstemperatur ab, sie schwankt deshalb stark. Fachleute nennen das auch ektotherm.

Viele dieser Tiere wärmen sich morgens in der Sonne auf, um ihre körperliche Aktivität erhöhen zu können. Andere Tiere sind gleichwarm oder endotherm. Sie regulieren ihre Körpertemperatur von innen über ihren Stoffwechsel. Der Mensch und andere Säugetiere gehören dazu, aber auch Vögel.

Zu welcher Gruppe die Dinosaurier gehörten, ist bisher unklar. Einige Experten denken, dass sie irgendwo zwischen beiden Gruppen liegen könnten – eine Theorie, die Forscher um Robert Eagle von der University of California in Los Angeles nun in einer neuen Publikation im Fachblatt "Nature Communications" stützen.

Die von ihm und Kollegen rekonstruierten Temperaturen lassen vermuten, dass zumindest einige Dinosaurier nicht vollständig endotherm waren wie die Vögel heute. "Sie waren vermutlich ein Mittelding, irgendwo zwischen modernen Alligatoren und Krokodilen und den modernen Vögeln", sagt Eagle. "Zumindest für die Oviraptorosauria liegt das nahe."

Wie aber gelang es den Forschern, die Temperatur der Tiere, die vor rund 66 Millionen Jahren ausstarben, zu eruieren? Ganz einfach, oder besser: sehr raffiniert. Sie untersuchten das Kalziumkarbonat-Mineral Kalzit in den Fossilien von Sauriereierschalen. Dabei maßen die Wissenschafter die Häufigkeit, mit der die beiden seltenen schweren Isotope Kohlenstoff-13 und Sauerstoff-18 im Kalzit auftreten. "Die sind sozusagen unser Quecksilber im Thermometer", sagt Thomas Tütken (Universität Mainz), Koautor der Studie.

Je nach Körperwärme variiert nämlich die Menge der untersuchten Verbindungen, da sich die Eier innerhalb kurzer Zeit in den Dinosaurierweibchen gebildet hätten. Zum Vergleich wurden die Eischalen von modernen Vögeln herangezogen, den Nachfahren der Dinosaurier. Sie stammen von den Theropoden ab, zu denen auch der untersuchte Oviraptor gehört.

Zwischen 32 und 38 Grad

Für ihre Studie analysierten die Wissenschafter Eierschalen von Titanosauriern aus Argentinien und von Oviraptorosauria aus der Mongolei. Titanosaurier gehören zu den Sauropoden, also großen pflanzenfressenden Dinos mit einem langen Hals und kurzem Kopf. Oviraptorosauria waren im Vergleich dazu kleiner. Sie liefen auf zwei Beinen und sind vermutlich nahe mit den Vorfahren heutiger Vögel verwandt.

Die Forscher warten mit recht präzisen Schätzungen auf: "Bei den großen Sauropoden lag die Temperatur bei etwa 38 Grad", sagt Tütken. Vertreter der kleineren Oviraptorosauria kamen hingegen auf eine deutlich niedrigere Körpertemperatur von rund 32 Grad Celsius. Das ist jedoch rund sechs Grad wärmer als die damalige Durchschnittstemperatur im Sommer. Die Forscher vermuten deshalb, dass die Tiere ihre Körpertemperatur von innen heraus regulieren konnten. (red, dpa, 13.10.2015)

  • Versteinertes Gelege von Titanosaurier-Eiern. Neue Analysen der Schalen legen nahe, dass die Tiere rund 38 Grad warm waren.
    foto: luis chiappe

    Versteinertes Gelege von Titanosaurier-Eiern. Neue Analysen der Schalen legen nahe, dass die Tiere rund 38 Grad warm waren.

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